NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Valparaíso
Chile

26. Juli 2019.

26. Juli 2019. Vorfreude machte sich breit, sollte doch Pablo Nerudas Lieblingsort „Valparaíso“ nächstes Ziel sein. Der Weg dorthin führte uns größtenteils über die Panamericana Norte am Pazifik vorbei. Valparaíso wurde nach über vierhundert Kilometern über den Küstenort „Vina del Mar“ erreicht. Es gibt so Orte, die einen von der ersten Sekunde an in ihren Bann ziehen – Valparaíso ist so einer. Man könnte es positiv ausdrücken – Wir haben uns unsere Spontanität noch erhalten – oder wie dämlich muss man sein, eines der ausgefallensten Hotels nicht vorab zu buchen. Sie bilden sich bestimmt ihr Urteil.

WineBox in Valparaíso

Ein junger, aus Neuseeland stammender, ehemaliger DJ, der laut eigener Aussage bereits in Köln auflegte, hat hier ein Hotelprojekt umgesetzt, das Container wie Legosteine zu einer Gesamtheit zusammenfügt. Außer der Garage, die aus Beton und damit als Fundament dient, besteht das Ganze aus alten Überseecontainern. Der Blick aus den Containerzimmern und von den Dachterrassen direkt auf Stadt, Hafen und Meer sind grandios. Unsere Ankunft mit Büdchen und alter BMW verwunderte das Personal schon, wir hatten ja nicht reserviert. Hotel voll bis auf ein Zimmer, Garage komplett. Lösung kam vom Inhaber: „Mein privates Haus liegt um die Ecke, da könnt ihr das Moped in meiner Garage abstellen." Büdchen wurde abends, wenn alle Parkplätze von den anderen Gästen eingenommen worden waren, als Fluchtwegversperrer vor das Ausfahrtstor gestellt. Perfekt. Die WineBox war jetzt Standort in Valparaíso vom 26. bis zum 29. Juli 2019.

27. Juli 2019.

Fotokamera war aufgeladen und so stiefelten wir nach gutem Frühstück, auch das überzeugte, los.

Valparaíso. Die Bucht von Valparaíso wurde schon vor Eintreffen der Spanier von Ureinwohnern besiedelt. Erst im 19. Jahrhundert avancierte Valparaíso zu einem der größten Häfen Südamerikas, obgleich die Stadt schon 1544 von den Spaniern gegründet worden war. Viele Gebäude wurden immer wieder durch Erdbeben und Feuerkatastrophen zerstört. Die an und auf Hügeln erbaute Stadt stand immer wieder auf. Der nächste zu verkraftende Schlag war für Valparaíso die Eröffnung des Panama-Kanals, der das Umfahren von Kap Hoorn überflüssig machte. Valparaísos Hafen verlor dadurch an Bedeutung. Trotzdem schafft es die Stadt, bis heute zu überleben. Heute ist die Stadt Sitz des chilenischen Nationalkongresses und Hauptquartier der chilenischen Marine. Mehrere Universitäten und eine Vielzahl von ansässigen Künstlern geben der Stadt einen besonderen Charakter. Zwei Söhne Valparaíso bestimmten die in noch nicht allzu ferner Vergangenheit sich zugetragene chilenische Geschichte. Beide konnten unterschiedlicher nicht sein. Der rechtmäßig gewählte Sozialist Salvador Allende, am 26. Juni 1908 in Valparaíso geboren und nach drei Jahren Präsidentschaft 1973 durch einen Militärputsch aus dem Amt entfernt und sein Nachfolger als Präsident Augusto Pinochet, am 25. November 1915 in Valparaíso geboren.

Die meist steilen Treppen, vom Meer nach oben, kann man sich durch die Benutzung der zum Teil hundert Jahre alten Standseilbahnen sparen. Was an anderen Ortes etwas abfällig nur Graffiti genannt wird, gleicht hier einer Open Air Galerie. Wir waren davon sehr beeindruckt auf unserem Weg zum Hafen und betraten kurze Zeit später einer dieser Standseilbahnen, die uns hinauf zum Marine-Museum bringen sollte. Es war wohl einer der älteren Standseilbahnen, die wir betraten und so verwunderte es uns nicht, beim Blick durch die Fenster der Kabine Seilstränge zu sehen, die etwas, wie ich zu Rita sagte, unprofessionell montiert wurden. Hat aber gehalten. Oben gab es einen tolle Aussicht auf Bucht und Hafen.

Der anschließende Besuch des Marine-Museums gab uns einen umfassenden Überblick über die chilenische Marine seit ihren Anfängen. Fanden sogar eine Replika der Schiffsglocke der "SMS Dresden“ aus dem Ersten Weltkrieg. Runter liefen wir der Promenade entgegen, von wo aus wir einen guten Blick auf das bunte Gewusel der ineinander gebauten Häuser werfen konnten, die sich über die Zeit der Hügel bemächtigt hatten. Unseren Spaziergang setzten wir nach einem Mittagessen fort und benutzten eine neue Standseilbahn, um ein anderes Viertel zu besuchen. Reale Stillleben und tolle Wandmalereien belohnte unsere Ausdauer beim Umhergehen. Ein Collectivo, hier als Taxi, brachte uns am Nachmittag in die Nähe unserer WineBox, wo wir den Tag auf der fantastischen Terrasse ausklingen ließen.

28. Juli 2019.

Unweit von der WineBox liegt „La Sebastiana“, eines der Wohnhäuser von Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda, dem wohl berühmtesten Dichter und Schriftsteller Chiles. Erzählte in diesem Zusammenhang Rita, dass es Parallelen zu Köln geben würde. Aufgewachsen in Köln-Müngersdorf, kannte man unseren Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll, der genau wie Pablo Neruda eher eine linksorientierte politische Heimat hatte. Erinnere mich noch an den großen, roten Ball über seiner Eingangstüre auf der Belvederestraße, wo er lange wohnte. Gibt halt nicht allzu viele Städte auf der Welt, die einen Literatur-Nobelpreisträger hervorgebracht haben.

Es war Sonntag und wir warteten fast eine Stunde, bis wir in das Haus Pablo Nerudas eintreten konnten. Nichts ist protzig, nur liebevoll zusammengetragene Einzelstücke verbinden sich zu einem harmonischem Ganzen. Von jedem Zimmer geht der Blick über die Dächer Valparaísos bis hinunter aufs Meer und verliert sich danach in der Weite. Nachdem der Rundgang in der Villa Sebastiana beendet war, schlugen wir den Weg abwärts Richtung Zentrum ein. Auf halbem Weg, der Magen knurrte, trafen wir zufällig auf ein Restaurant, dass eine besondere Erwähnung verdient hat.

Restaurant La Caperucita y el Lobo in Valparaíso

Tolles Essen, nicht überteuert und eine junge, chilenische Kellnerin, die deutsch sprach. Sie erzählte uns, dass sie in Freiburg und Leipzig als Au-pair war und als sie nach Freiburg in Leipzig angekommen dachte, es gäbe mehrere deutsche Sprachen. Verstehen kann man sie!

Eine Anmerkung liegt uns noch auf der Zunge. Straßenhunde gehören seit dem Eintritt nach Lateinamerika zum Straßenbild. Mal zutraulich und liebenswert, mal aggressiv und für Mopedfahrer gefährlich. Daraus resultiert natürlich auch eine starke Verschmutzung der Straßen und Trottoirs. Valparaíso schoss hier den Vogel ab und ließ uns folgenden Satz verfassen: „Manchmal denken wir, dass bestimmte Lateinamerikanische Tänze und deren Schrittfolge entstanden sind, beim Ausweichen vor den tierischen Hinterlassenschaften.

26.-28. Juli 2019 · Valparaíso · Chile