NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Coyhaique
Chile

13. August 2019.

Die zweite Hälfte der gestrigen Strecke war eine Fahrt durch starken Regen und so waren wir heute nach dem Frühstück gut gelaunt, als Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch die Nebelschwaden erkämpften. Vor unserem Start hatten wir das Bedürfnis, ein paar Worte über eine besondere Baumart zu verlieren, stand doch ein prächtiges Exemplar im Garten der Hosteria Alemana. Seit der chilenischen Schweiz bestaunten wir eine Baumart, die hauptsächlich im Land der Mapuche beheimatet ist und so viele Bezeichnungen hat – die Araukarie.

Die Araukarie

auch bekannt als Andentanne, Chiletanne, Schlangenbaum, Schuppentanne, Affenschwanzbaum und Monkey Puzzle Tree.

Die ersten Kilometer nach Verlassen von Puerto Puyuhuapi fuhren wir entlang des Fjordes mit tollen Ausblicken und auf asphaltiertem Untergrund. So manche Brücke wurde überquert, bis ein Brückenname uns besonders ins Auge fiel. „Puente Helmut Hopperdietzel“ Mehr deutsch im Namen geht wohl kaum. Leider wurde die vom Textilunternehmer Helmut Hopperdietzel gegründete Teppichmanufaktur in Puyuhuapi letztes Jahr aufgegeben. Hergestellte Teppiche hatten wir in der Hostería Alemana noch bestaunen können und es zeigte uns, dass ihr Zustand nach fünfzigjährigem im Gebrauch sein noch fast neuwertig zu nennen ist.

Die Natur auf der weiteren Fahrt erinnerte an den Norden des Doppelkontinentes. Kanadas-Norden und Alaska ließen grüßen. Schotter war jetzt der zu befahrene Belag der Carretera Austral die uns über eine wunderschöne Bergkette Richtung Coyhaique führte. Nach Überquerung der Bergkette, die uns fantastische, spätwinterliche Bilder schenkte, öffnete sich die Landschaft und gab Raum für intensive Viehwirtschaft.

Der bekannte Vers vom Dichter Franz Emanuel August Geibel, „Und es mag am deutschen Wesen, einmal noch die Welt genesen“, muss nicht immer für alles zutreffen, wurde doch der größte Teil des Urwaldes durch deutsche Gründlichkeit urbar gemacht. Wir sahen es an den Rodungen. Coyhaique wurde erreicht. Mit 50.000 Einwohnern Hauptstadt der Region Aysén.

14. August 2019.

Unsere Unterkunft hielt leider nicht, was sie versprochen hatte. Wasserboiler war defekt und anstelle, dass man einen Neuen installiert hätte, wurde der alte Boiler mehrere Male gelötet, eingebaut und wieder ausgebaut. Natürlich erfolglos. Wir bekamen bei Abrechnung keinen Nachlass, nein, man versuchte stattdessen, die für Ausländer nicht zu entrichtende Umsatzsteuer zu erheben.

15. August 2019.

Wir zogen um und verbesserten uns gewaltig. Cabañas El Leñador, Presidente Errázuriz 1252, Coyhaique, 5950000 Chile. Sehr freundliche Aufnahme, obwohl nur eine Übernachtung anstand.

Bis jetzt noch nicht erzählt. Nachdem der Unterkunftswechsel abgeschlossen war, gingen wir ins städtische Krankenhaus von Coyhaique, wo sich mein Verdacht bestätigte. Leistenbruch rechts! Seit zwei, drei Monaten hatte ich die Vermutung, dass ich mir bei meinem unfreiwilligen Absteigen vom Moped in Peru und dem schnellen Aufheben der nicht allzu leichten alten BMW einen Leistenbruch zugezogen hatte. Im Krankenhaus sprach man von OP, was ich natürlich auf unserer Reise vermeiden wollte. So verbrachten Rita und ich den restlichen Tag damit, ein Sanitätshaus zu finden, welches Bruchbänder führte. Wir bzw. ich hatte Glück. Ein Geschäft hatte tatsächlich ein Bruchband und ich das Gefühl, prophylaktisch alles getan zu haben.

16. August 2019.

Büdchen stand morgens bei leichtem Regen neben dem blauen, alten Unimog unseres Vermieters und war startklar. Meine Person, mit Bruchband und drei Hosen unter der Regenkombi, Heizjacke und Lenkerstulpen, jetzt auch. Alte BMW sowieso. Zur Tankstelle, Reifendrücke prüfen und ab auf die Piste. Denkste! Beim Prüfen des Luftdruckes an der alten GS 80 konnte ich das Hinterrad quer zur Fahrtrichtung hin und her bewegen. Im Prinzip bewegte sich der ganze Kardanantrieb. Leichter Regen, Bewegungsmöglichkeit in meiner Montur glich einem Astronauten kurz vorm Start und nun das. Rita erkundigte sich derweil schon nach einer Mopedwerkstatt und bekam eine Adresse. Wie gerade beschrieben. Leichter Regen, Bewegungsmöglichkeit gering, auf der Suche nach der Werkstatt, versuchte eine Rotte Hunde mich vom Moped zu holen. Ich erspare Ihnen die genaue Schilderung meines Gemütszustandes. Werkstatt wurde gefunden. Chef überzeugte uns nicht, aber was wollten wir machen. Nach Ausbau des Hinterrades und dem Entfernen der Gummimanschette am Kardangehäuse wurde festgestellt, dass die beiden Nadellager der Queraufnahme sich verabschiedet hatten. Problem, Ersatz musste her. Das Daumen nach oben des vermeintlichen Werkstattinhabers samt dem zur Schau getragenen Lächeln konnte mich nach einer Stunde nicht mehr überzeugen. 12.00 Uhr Mittagspause bis 15.00 Uhr. Daumen nach oben und ein Lächeln. Wir nutzten die Zeit und fuhren zu unseren netten Vermietern der Cabañas El Leñador. Apartment konnte von uns wieder bezogen werden, wenigstens war die Übernachtung geregelt. 15.00 Uhr und wir standen mit fragenden Gesichtern vor unser Werkstatt. Sie wissen schon, Ja, ja! Daumen nach oben und dazu ein Lächeln. Im Anschluss die Aussage: „Bis jetzt hat keiner diese Ersatzteile auf Lager, selbst in Santiago de Chile nicht, aber wir bekommen das schon hin. Zuerst ist ja Wochenende und am Montag sehen wir weiter.“ Lächeln.

Ziemlich frustriert und zurück im Apartment, arbeiteten unsere Gehirne auf Hochtouren. Heinz, unseren Blog-Meister und/oder Klaus, meinen alten BMW Spezi anrufen, waren die ersten Gedanken. Beide sind ausgewiesene Experten im Bereich Motor, Getriebe und Antrieb von Zweirädern. So machten wir es. Explosionszeichnungen wurden hin und her gesendet und schnell war klar, welche Teile man benötigen würde.

17. August 2019.

Über Nacht hatten wir entschieden, mein BMW Spezi Klaus sollte die Lager besorgen und per Eilfracht zusenden. Ein Telefonat ergab, dass er schon bei BMW in Köln-Marsdorf gewesen war. Lager waren vorrätig und so stand der Versendung am Montag nichts mehr im Wege. Etwas erleichtert nutzten wir den sonnigen Tag für einen Abstecher nach Puerto Aisen und Puerto Chacabuco, etwa einhundert Kilometer in westlicher Richtung von Coyhaique entfernt. Begleitet vom Rio Simpson fuhren wir durch landwirtschaftlich genutzte Landschaft bis zu den an einem Fjord gelegenen Orte.

18. August 2019.

Recherchen im Internet hatten ergeben, auch bei einer Express-Sendung würde es mindestens eine Woche dauern, bis die Ersatzteile in Coyhaique eintreffen würden. Es erschien uns sinnvoll, diese Zeit zu nutzen. Südamerikas zweitgrößter See, der auf chilenischer Seite „Lago General Carrera” und auf argentinischer Seite „Lago Buenos Aires” heißt, sollte das Ziel sein.

13. bis 18. August 2019 · Coyhaique · Chile