NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Haines Junction
Yukon
Kanada

12. August 2018. Zunächst ging das Landschaftsbild so weiter, wie wir es gestern auf der Fahrt nach Tok hatten. Informationsschilder machten uns auf den vulkanischen Ursprung der Gegend aufmerksam und informierten über Erdbeben bis in unsere Zeit. Dazu wurde über das kleinste größte Raubtier berichtet, den Mosquito. Ein Elch – Moose – wird so an einem Tag um bis zu einem halben Liter Blut erleichtert. Nach einiger Zeit erreichten wir die Grenze zu Kanada und ließen uns dahinter sinnigerweise am „Welcome to Alaska” Schild fotografieren. Trafen hier auf ein nettes Paar aus Brasilien und Alfred, einen alleinreisenden Schweizer, den wir schon vor Wochen in Winnipeg an einer Gas-Station getroffen hatten.

Nach dem Besuch einer christlichen Kapelle in Beaver Creek, meistens die einzige Zufluchtsstätte für allein gelassene First Nation Mitglieder, machten wir uns weiter auf den Weg nach unserem Tagesziel Haines Junction, 485 Kilometer entfernt. Zwischen dem Alaska Highway und dem Pazifik befindet sich das größte zusammenhängende Gletschergebiet außerhalb der Polarregionen, welches grenzübergreifend USA/Kanada von fünf verbundenen Nationalparks geschützt wird. Zur Linken wurden wir plötzlich durch den Anblick des etwa achtzig Kilometer langen Kluane Lake überrascht. Ein wunderschöner See, der sich uns in sonnenspiegelndem Blau präsentierte.

Was uns passierte, ist auf diesem Planeten bestimmt nicht so oft zu erleben. Unerwartet kam es zu einem Sandsturm, der sich von den Bergen in hoher Geschwindigkeit über Teile des Sees legte. Musste meine BMW stoppen, weil Sturm und Sichtweite unter drei Meter mich dazu zwangen. Als ich aus dem Sandsturm heraus war, hatte ich zum Glück dies mit der Fotokamera festgehalten. Alaska / Yukonregion – Sandsturm. Erklärung wird nachgereicht. Versprochen.

Erreichten Haines Junction und genehmigten uns eine Cabin im Carnivore Cabins. Kleines Blockhaus mit Kaminofen und einer netten Vermieterfamilie. Nur zu dumm, ab morgen auf Tage ausgebucht.

13. August 2018. Wir zogen auf den Kluane RV Campground. Was für ein Absturz. Zwanzig Dollar pro Nacht, aber selbst das konnte über den Zustand nicht hinweg helfen. Was soll's, tagsüber waren wir im Infocenter des Ortes mit sehr netten Mitarbeiter/innen, und dazu wurden Informationen über den Kluane Nationalpark, einem First Nation Museum und einer aktuellen Kunstausstellung angeboten.

Wir hatten Großes vor am nächsten Tag und fuhren deshalb am späten Nachmittag etwa 55 Kilometer zurück Richtung Kluane Lake, an dem Lance, so hieß der Inhaber der Icefield Discovery Flugfirma, einen Flugplatz betreibt. Das Bild vom Mount Logan – 5.959 Meter hoch – im Informationszentrum in Haines Junction hatte uns nicht mehr losgelassen und so hatten wir beschlossen, dem Giganten aus der Luft näher zu kommen. Lance erklärte uns, das es heute zu stürmig gewesen sei, um ins Gletschergebiet zu fliegen, aber morgen schon zwei Leute ab 16.00 Uhr einer Flug mit Gletscherlandung gebucht hätten. Wir sagten zu.

Lance erklärte auf mein Nachfragen hin das Phänomen des Sandsturmes. Einer der vielen Gletscher in diesem Gebiet, der auch in den Kluane Lake mündete, hatte sich zurück gezogen und durch das Auftürmen des freigelegten Sediments sich den eigenen Zugang zum See verbaut. Nun fließt das Schmelzwasser hinter einer Bergkette in den Pazifik. Das Austrocknen ließ eine große Endmoräne eine ganze Ebene austrocknen. Gestein, das zu Sand zerrieben wurde, werde jetzt bei Fallwinden aus dem Gebirge Richtung See befördert und läßt hier hoch im Norden einen Sandsturm entstehen. Jeck. Der Wasserspiegel des Kluane Lake ist durch Wegfallen der Wassermassen aus dem Gletscher um fast zwei Meter gesunken.

14. August 2018. Haines Junction hat eine wunderbare Bakery mit freiem Wifi, tollem Kaffeeangebot und sonstigem Essen, was für die hiesigen Gefilde schon etwas außergewöhnlich ist. Daher trifft man hier auch auf eine sehr internationale Community von Bikern, Bergsteigern, Anglern und Lück wie uns”.

Der Tag ging so dahin und 16.00 Uhr rückte näher. Sie erinnern sich - Abflug ins Gletschergebiet. Ich möchte nicht behaupten, dass bei uns immer alles anders läuft, aber man könnte es manchmal meinen. Pünktlich um 16.00 Uhr standen wir ausgerüstet mit unserem Fotoequipment vor Lance auf dem Flugfeld. Diejenigen, die vor uns gebucht hatten, sagten wegen dem doch ziemlichen Wind ab. Lance stellte uns unseren Piloten vor, Mike, ich fragte noch, ob es mit dem Wind geht und dann saßen wir schon in dem gelben einmotorigen Fluggerät, was uns Mount Logan und den anderen Gipfeln näher bringen sollte. Wir rollten über das Startfeld, Start, Abheben und Rita, die hinten saß, zeigt Daumen nach oben und wir hoben ab. Ja, es war stürmig, windig sagt man, wenn eine Frisur auf dem Rollfeld noch mit „Drei Wetter Taft” hält. Wir sahen die Endmoräne, die den Abfluss des Gletscherwassers in den Kluane Lake verhindert und flogen Richtung Gletscher. Mike ließ meistens dem Flugzeug freie Hand, da ein Gegenarbeiten gegen die auftretenden Winde zwecklos gewesen wäre. Ein Blick nach hinten zu Rita, und das tapfere „geht” beruhigte mich nur etwas. Ich versuchte, Bilder zu schießen, was auch gelang. Der Technik der Digitalkameras – Bildstabilisatorfunktionen – sei Dank. Wir flogen Richtung große Gletscher, was einen schon sehr beeindruckte, mussten aber durch die starke Wolkenbildung auf einen Weiterflug Richtung Mount Logan Massiv und der anderen bestimmt imposanten Gipfel verzichten. Mike zog mittlerweile per Mechanik die Kufen zur Schnee- und Eislandung ein, um den immer stärker werdenden Luftströmungen keine weiteren Angriffsflächen zu bieten. Es wurde immer ungemütlicher und obwohl ich vor fünfundzwanzig Jahren mal drei Flugstunden hatte, verzog auch ich das ein und andere Mal mein Gesicht. Rita war es auf diesem Flug so schlecht und sie hielt, wie sie mir nachher sagte, nur durch, um mir den Flug nicht zu verderben. Das Flugzeug stand manchmal im 20 Grad Winkel zur Flugrichtung und wir flogen zurück. Es war wenigstens für mich ein Erlebnis, aber die Piloten von Icefield Discovery, die so manche Bergsteiger und Expeditionen fliegen, mögen zwar außergewöhnliche Piloten sein, aber hier hätte man den Flug verschieben sollen. Bei der Bezahlung bestand dann nochmals die Gelegenheit, ein Pflaster drauf zu machen, als ich für Rita ein Icefield Discovery T-Shirt aussuchte. Nein, es stand mit 25 Dollar mit auf der Rechnung. Weiteren Fluginteressenten, die sich draußen eingefunden hatten, riet man, morgen zu fliegen.

Es war ein Adventure, jedenfalls für mich. Habe zwar den Mount Logan und eine Gletscherlandung verpasst, die Bilder sind trotz Turbulenzen ganz gut geworden. Ihr könnt ja einige sehen im Panamericana Blog. Auf der Rückfahrt hatte ich noch die Möglichkeit, den ersten Kojoten abzulichten, derweil Rita im Büdchen liegend ihrem Schwindel und der Übelkeit versuchte entgegen zu wirken. Auch das war nach zwölf Stunden geschafft.

12. August 2018 · Haines Junction · Yukon