NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Quito
Ecuador

24. bis 28. April 2019.

Unser Hotel Indio Inn verabschiedete uns mit einem guten Frühstück. Quito, höchste Hauptstadt der Welt, war unser nächstes Ziel auf der Reise durch Ecuador. Für die Kürze der Strecke blieb die alte BMW auf dem Träger. Es erwartete uns etwas ganz Besonderes. Später mehr.

Quito ist in einem Kessel gefangen und breitet sich zunehmend die Hänge hinauf aus. Bei guter Sicht sind die umliegenden Andenvulkane mit ihren Schneemützen zu sehen, was der Stadt oft die Bezeichnung „schönste Stadt Lateinamerikas” einbrachte. Als der Inkaherrscher Rumiñahui vom Anrücken der Spanier hörte, entschloss er sich, Quito zu zerstören. Die Spanier errichteten um 1536 auf den Gebäuderesten die Stadt neu. Die Pracht der Kolonialzeit ist wie in vielen alten Städten Lateinamerikas auch hier im „Centro Histórico” zu bewundern. Für die heute in Quito lebenden 1,6 Millionen Einwohner wäre das alte Zentrum viel zu klein. So entstand eine Neustadt mit Hochhäusern und Einkaufsmalls. Der ärmere Bevölkerungsanteil siedelt hier in einfacher Bauweise an den Rändern und an den Hängen der bis an die Stadt reichenden Berge.

Hostal Zentrum in Quito
  • Hostal Zentrum
  • José Murillo E4-18 y 9 de Octubre, Quito
  • 170517, Ecuador

Inhaber und Betreiber: Gerd Jacobsen

Nun zu dem Besonderen. Am Nachmittag erreichten wir das Hostal ZENTRUM und lernten Gerd Jacobsen kennen. Wo sollen wir anfangen? Bei Gerd? Beim Ort? Beim Haus? Versuchen wir es mal so. Der Ort ist der Stadtteil La Mariscal, ein Viertel zum Ausgehen. Das Haus könnte genauso in Hamburg an der Elbchaussee stehen, vermittelt es doch den Charme einer älteren Villa. Ja, und da wäre Gerd Jacobsen. Beim Nachnamen ist jedem klar, dass er nicht aus Bayern kommt. Nein, Gerd ist vor über achtundachtzig Jahren auf St. Pauli geboren – viel Leben also. Die Tage, die wir bei ihm zu Gast sein durften, schenkten uns einige Geschichten und Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Vorab, wir werden hier keine Vertraulichkeiten preisgeben, sondern nur Dinge, die wir unseres Erachtens ohne seine besondere Zustimmung erzählen können. Gerd ist ohne Eltern in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit auf St. Pauli aufgewachsen. Einer, der sich zu recht Junge vom Kiez schimpfen darf. Sehr früh auf sich alleine gestellt, arbeitete er als Heranwachsender in der Kiezgastronomie, bevor er als junger Erwachsener sein eigenes Etablissement auf der Großen Freiheit Nr. 30 neben dem berühmten Safari aufmachte. Bis in die Siebziger ein lohnendes Geschäft, wie Gerd erzählte. Später als Gastronomie-Makler erfolgreich, entschloss er sich 2006 dazu, ein Hostal in Quito zu eröffnen. Die Abende, in denen wir zusammen saßen, waren voll von Geschichten.

Mein Motorradfreund Klaus Eberts und ich brachten ja das Büdchen und die alte BMW vor der Reise zur Verladung nach Hamburg, um im Anschluss unter anderem unseren Durst in der „Ritze” auf der Reeperbahn zu löschen, so erzählte ich und hörte Gerd direkt sagen: „Ja, ja. Die Ritze. Meine Frau hat lange mit der Kietzgröße Hanne Kleine die Ritze betrieben.” Es folgte durch mein Nachfragen noch so manch andere Geschichte. Eine sei noch erwähnt. Gerd kannte natürlich auch den Boxer Norbert Grupe, genannt „Prinz von Homburg”, welcher verantwortlich war für einen unvergessenen Auftritt im „Aktuellen Sportstudio”. Wir könnten noch vieles erzählen, machen aber hier Schluss, denn sollte Gerd mal seine Memoiren zu Papier bringen wollen, ist es aus erster Hand immer genauer und somit besser.

Das Hostal Zentrum ist eine runde Sache. Die hanseatische Atmosphäre fern der Heimat hat etwas ganz Spezielles. Liegt nicht alleine am Bild von Hans Albers und mehreren Schiffsmodellen im Entree. Wir waren gerne Gäste hier in der Zeit vom 24. bis zum 29. April 2019, unterbrochen durch unseren Galapagosaufenthalt, und danach vom 6. bis zum 9. Mai 2019, unserem Abreisetag.

Centro Histórico ist Pflichtprogramm. Wege in die höherliegenden Bezirke und die Neustadt haben wir auch unternommen. Die Suche nach einem zu meiner Kamera passenden Zoomobjektiv zeigte uns Quito von allen Seiten. Wir fuhren einen ganzen Tag hin und her, bevor wir fündig wurden. War für uns sehr wichtig, standen doch die Galapagosinseln an und für Tieraufnahmen ist ein Zoom ein Muss.

Kölsche Momente hatten wir auch in dieser Stadt. Anscheinend steht Köln weltweit Pate für so manche Sache und Entwicklung.

  • Die „Catedral Metropolitana de Quito”, ein kleiner Nachbau unseres Kölner Doms,
  • ein Fastelovendausstatter im Centro Histórico,
  • und zuletzt, eine Anlehnung an unser Hänneschen Thiater, zwar keine Stockpuppen, sondern Marionetten. Aber immerhin, ein bisschen Eilemann-Trio oder Bands aus unserer Zeit glaubten wir erkannt zu haben.

24.-28. April 2019 · Quito · Ecuador