NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Stewart
British Columbia
Hyder
Alaska

25. August 2018. Nach einem guten Frühstück mit Nancy und Bill, nette Kanadier aus Vancouver Island, nahmen wir die Fahrt wieder auf. Heute nur 175 Kilometer. Abbiegen auf die Road 37A nach Stewart / Hyder. Die Berge zu beiden Seiten wurden höher und die Gletscher zeigten ihre Zungen. So erreichten wir Stewart in British Columbia. Die 37A ist eine Sackgasse. Stewart ist kanadisch und Hyder ist amerikanisch. Nach Überschreiten der Grenze gibt es nur ein Zurück und somit ersparen sich die US-amerikanischen Behörden die Grenzkontrolle. Anders die Kanadier.

Stewart und Hyder, ehemalige Goldgräberorte, liegen am Ende des Portland Canals, der gleichzeitig bis zum Pazifik die Grenze markiert. In den Portland Canal fließen der Bear River und der Salmon River auf US-amerikanischer Seite. Der Salmon River wird vom Salmon Gletscher gespeist. Rechts und links der Orte in Gipfelregion sind bis heute noch große Eisfelder vorhanden. Fährt man in Hyder über die Grenze, so betritt man den Torgass National Forest, der sich im Süden Alaskas befindet. Nach Ankunft brachen wir direkt zur Fish Creek Wildlife Viewing Area auf, wo tausende Lachse auf dem Weg zu ihren Laichplätzen waren und Bären einen gedeckten Tisch servierten. Bei Ankunft konnte man es schon riechen. Viele der Lachse hatten ihre Aufgabe schon erfüllt und lagen bäuchlings verendet im seichten Creek. Der Rest bekämpfte sich beim Finden des richtigen Laichplatzes.

Und da war er. Ein Grizzly, ziemlich schwarz gefärbt und eindrucksvoll. Bilder meiner letzten Bärenbeobachtungen kamen mir in den Sinn und ich wollte diesmal bessere Fotos machen. Es gelang. Fast zwei Stunden lang konnten wir von der Beobachtungsbrücke aus dem Grizzly bei seinem Mahl und anderen Aktionen zusehen.

Der Abend war nach der Bärenbeobachtung für Rita und mich noch nicht zu Ende. Zu groß war die Neugierde auf den riesigen Salmon Gletscher. Etwa 35 Kilometer die Straße aufwärts in die Berge. Der Weg war früher eine Straße für die Minenarbeiter und die Goldschürfer, also alles andere als gut befahrbar, aber Büdchen hat ja Allrad. Gravel Road kannten wir ja schon vom Dalton Highway. Es rappelte ziemlich und die Erklärung für Rita, dass das Beschleunigen das Beste fürs Büdchen sei, da je schneller das Fahrzeug über Wellen und Löcher fährt, es wie Schweben und Hinübergleiten sei, konnte sie nicht überzeugen. Links ging es hinter einer Hecke den größten Teil der Strecke senkrecht in die Tiefe. Plötzlich die Gletscherzungen, fantastisch in dieser Bergwelt, aber seit einer halben Stunde sahen wir kein anderes Fahrzeug mehr. Nebelschwaden und Wolken zogen schnell Richtung Tal. Es siegte der Verstand. Ein Bergführer in den Alpen hatte mich mal vor Nebel und Wolken nachdrücklich gewarnt. Ich wendete das Büdchen und es ging wieder Richtung Tal, nicht ohne noch einmal auszusteigen und die Gletscherzunge zu fotografieren. Was war das für ein Geräusch? Das Zischen einer Schlange hier in Alaska eher unwahrscheinlich, austretende Luft aus einem Reifen schon eher. Ja, es war hinten rechts. Rein ins Büdchen und Gas geben. Was heißt Gas geben? Zwanzig Kilometer mindestens noch zurück, Nebel, kein Mensch weit und breit im Bärenland und nur noch zusehen, auf der Strecke zu bleiben.

Kurzfassung. Fünfhundert Meter vor Hyder war dann Schluss. Reifen platt und heiß wie eine Folienkartoffel, Dämmerung hatte eingesetzt, 21.00 Uhr. Was war zu tun? Wie immer alles abbauen, Reifen wechseln oder Büdchens Kompressor pumpte den Reifen nochmal für die letzten Kilometer auf. Der Träger musste sowieso runter, also los! Rita links mit Lampe und rechts mit Bärenspray. Wir schafften es, den Reifen nochmals aufzupumpen, um so die Grenze zu passieren und das Motel zu erreichen. Vor dem Motel Reifen platt, Felge okay, alles gut. Nacht zusammen.

26. August 2018. Gut im Motel gefrühstückt, denn Reifenwechsel stand an. Für einen Pit-Stop-Amateur schon Arbeit. Dauerte länger als der schnellste Boxenstopp von Mercedes 2018 beim China Grand Prix – 1,18 Sekunden. Mittags ging es nochmal über die Grenze nach Hyder, in der Hoffnung, Bären zu sehen. Die sagten aber heute nein. Wir hatten ja tags zuvor fast zwei Stunden die Möglichkeit und waren zufrieden.

25.-26. August 2018 · Stewart BC · Hyder Alaska