NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Oaxaca de Juárez
Oaxaca
Mexiko

4. Januar 2019. Wir fuhren 400 Kilometer durch die Region Puebla und überquerten vor Erreichen der Stadt Oaxaca einen Gebirgszug, bevor unser Blick auf die Stadt im Talkessel fiel. Wir waren glücklich, als wir Büdchen und GS auf dem Oasis Campground abgestellt hatten. Es ist ein besonderer Platz in der Ortschaft Santa María Del Tule und man sollte reservieren, da nur vier bis fünf Plätze für Overlander-Fahrzeuge vorhanden sind. Leanne und Calvin, zwei Kanadier, bereisten immer wieder ganz Mexiko. 2008 entschieden sie sich, um und über ihren Greyhound Bus – Baujahr 1957 – im wahrsten Sinne ein Haus mit Garage zu bauen.

Neben der Kirche Santa María Del Tule hat dieser Ort etwas Einmaliges, den „Baum von Tule”, eine etwa 1.400 bis 1.600 Jahre alte mexikanische Sumpfzypresse. Er ist der dickste Baum der Welt und eines der ältesten Lebewesen auf unserem Planeten.

Baum von Tule

Zahlen zum „Árbol del Tule”,
dem Baum von Tule

  • Durchmesser 14,05 Meter,
  • Umfang 46 Meter,
  • Gewicht ca. 636 Tonnen.

Unser erster Tag und schon erwischte es mich. Wie gut, das wir auf dem Oasis Campground gelandet waren. Wir sollten bis zum 13. Januar 2019 bleiben. Die nächsten vier Tage waren keine großen Aktivitäten möglich. Rita kümmerte sich um Vorräte, Wäsche und mich. Weil der Platz meistens mit Overlandern besetzt war, wurde es auch nicht langweilig. Calvin, der ein Vorleben als Konstrukteur und Mechaniker hat und so manches Rallyefahrzeug mitentwickelte, optimierte unseren Träger für die Aufnahme unserer alten BMW. Wir sparen seitdem einige Kilos, was sich sehr positiv auf Büdchens Fahrverhalten auswirken sollte. Plötzlich standen unerwartet Tina und Felix, Sabine und Theo und Sepp mit ihren Fahrzeugen vor der Türe. Wie bereits erwähnt, gibt es nur vier bis fünf Stellplätze und der Platz ist oft voll. Zum Glück gab es noch eine Wiese unweit vom Campground und so war allen geholfen.

12. Januar 2019. Es ging mir besser und Oaxaca-Stadt stand zur Besichtigung an. Oaxaca de Juárez liegt in einem Haupttal der Sierra Madre de Sur auf etwa 1.500 Metern. Die Stadt ist Bischofssitz, gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO und hat ca. 280.000 Einwohner. Wie die meisten von den Spaniern zu Hauptorten gewählten Städte gibt es auch hier einen Zócalo, Hauptplatz, der von wunderschönen Gebäuden im Kolonialstil umrahmt wird. Große Kirchen, Paläste, Verwaltungsgebäude und fein restaurierte Kolonialbauten lassen die historischen Zentren, wie auch hier in Oaxaca, zu Treffpunkten werden. Hier bestimmen Museen, Kunst und Kultur einen Teil des Lebens.

13. Januar 2019. Nicht weit von Oaxaca-Stadt entfernt liegt Monte Albán, die einstmalige Hauptstadt der Zapoteken. Gegründet von den Olmeken und von ihnen genutzt im Zeitraum von 800 bis 300 vor Christi. Die Hauptbesiedlungszeit durch die Zapoteken endete ca. 900 nach Christi. Bis zur spanischen Eroberung wurde das Areal durch die Mixteken und im Anschluss von den Azteken genutzt. Rita sagte zu mir, das folgende zu schreiben sei zu flach, aber es muss raus: „Bei all den Teken sollte man nicht die Andentheken vergessen.” – gerade bei uns in Köln eine Bevölkerungsgruppe, die sich schon über eine lange Zeit hält.

Wir fuhren per Sammeltaxi, hier Colectivo genannt, erst am Nachmittag zur Pyramidenstätte, da der Besucherstrom erfahrungsgemäß später nachlässt. Monte Albán ist wie Teotihuacan sehr gut erhalten und beeindruckt durch Anordnung und Größe. Das, was erklettert werden durfte, nahmen wir in Angriff und genossen den Blick vom Berg, der für den Bau der Pyramiden teilweise abgetragen wurde.

Unbewusst gelingt einem manchmal ein Foto, dass Bezug nimmt auf gerade sich vollziehende Änderungen.

BREXIT. Eine Frau, wahrscheinlich Britin, mit aufgespanntem Schirm – Motiv „Union Jack” – verschwindet in den alten Gemäuern der Anlage. Bilder sagen manchmal mehr aus als Worte.

4.-13. Januar 2019 · Oaxaca de Juárez · Mexiko