NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Panama City
Panama

9. März 2019.

Auf der Carretera Panamericana CA-1 fuhren wir zügig Panama-Stadt entgegen und wie immer trafen wir zur Rushhour ein. Die Panamericana führte uns direkt über die Brücke der Amerikas in die Stadt und hinein nach El Chorillo, eines der Viertel, wo Armut zuhause ist. Nachdem wir uns verfahren hatten, erreichten wir endlich das Hotel Novotel Panama City. Die Lage und das eigene Parkhaus für Overlander optimal.

Check-in. Die auf gefühlte Minusgrade heruntergekühlte Luft im Zimmer empfanden wir zunächst als angenehm, setzten uns doch weiterhin Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Zentralamerika zu. Neunter Stock, nicht schlecht, mit Blick über die Stadt und deren Hochhäuser, auch schon mal als Dubai of Central America betitelt.

Steckbrief Panama City. Gegründet 1519 durch die Spanier, 1671 wurde die Stadt vom englischen Piraten Henry Morgan vollständig zerstört. Etwas südlicher erfolgte danach der Wiederaufbau. Der Bau der Eisenbahnlinie im 19. Jahrhundert und die Fertigstellung des Panamakanals im 20. Jahrhundert – 15. August 1914 – verhalf Panama City zur heutigen Bedeutung, die durch Erweiterung zum Finanzplatz und als Steueroase bis in unsere Tage anhält. Die Einwohnerzahl nähert sich der Million und hat sie im Ballungsraum bereits überschritten. Die geplanten zwölf Übernachtungen ergaben den längsten Zeitraum, den wir auf unserer Reise bisher an einem Ort verbrachten. Es gab ja auch viel zu erledigen.

10. März 2019.

Hier wie überall in der lateinamerikanischen Welt Amerikas wird sonntags oft gearbeitet und so bekam Büdchen direkt gegenüber unseres Hotels in einer Carwash Station eine Reinigung verpasst. Meine alte BMW GS wurde von mir persönlich einer Schonreinigung unterzogen. Nachmittags sahen wir uns Casco Viejo an, das historische Viertel von Panama City. Das Viertel gehört zum Weltkulturerbe. Casco Viejo liegt etwas vorgelagert, fast wie eine Halbinsel. Restaurierte Kolonialzeithäuser, Kirchen, Kirchenruinen und das Panamakanal-Museum lohnen das Durchschlendern.

11. März 2019. Büdchen sollte zur Inspektion, wurde bei Volkswagen in Panama City gemacht. Kurios. Inspektion nach anderthalb Stunden erledigt, doch ein anschließender Stromausfall verhinderte vier Stunden lang den Ausdruck der Rechnung. Zeit, die wir gerne anders genutzt hätten.

12. März 2019.

Wir hatten erfahren, dass Panama City seit vier Jahren eine Metro hat, die zwischen Nord und Süd verkehrt. Für uns ein Anlass, die Strecke zu befahren. Im Stadtzentrum als U-Bahn und danach als Hochbahn durch die Vororte. Weitere Strecken sind in Planung. Die Panama Metro und ihre Stationen sind gut designt und werden von der Bevölkerung rege genutzt. Im Anschluss gingen wir in die Stadt, sie wissen schon, wie immer „Los Latschos”. Es wurde gebaut, gebaut und gebaut. Las Vegas bezeichneten wir als Waschmaschine, die Waschmaschine Panama City verfügt jedoch über viel mehr Programme. 15 % Steuersatz zieht Firmen und Investoren an wie Motten das Licht. Nicht umsonst fahren viele Schiffe unter der Flagge des kleinen zentralamerikanischen Landes. Bis vor Kurzem trug eines der Hochhäuser, das ausschaut wie das Burj al Arab in Dubai, Trumps Namen, obwohl er nur Namensgeber war, um Banken und Investoren anzulocken. Zurzeit werden wie auch in Dubai Inseln vor Panama City aufgeschüttet, nur kleiner. Mit der Bezeichnung Klein Dubai liegt man daher wohl nicht falsch.

13. März 2019.

Über Internet hatten wir ein Logistikunternehmen gefunden, dass unsere Fahrzeuge von Panama nach Cartagena in Kolumbien verschiffen sollte.

Ever Logistic Inc.

Um 10.00 Uhr sollten wir bei Ever Logistic im Büro auf dem Hafengelände von Colón sein. Heißt, etwa siebzig Kilometer von Panama City am Pazifik nach Colón am Atlantik. Wir erfuhren von Boris das Prozedere und die anfallenden Kosten, Büdchen und BMW GS im Container nach Cartagena in Kolumbien zu bringen. Wir gingen mit ihm zum Zoll im Freihafen von Colón und bekamen die Papiere, die wir für die Inspizierung der Fahrzeuge in Panama City benötigten. Der Tag verging schnell und wir waren froh, nach der Rückfahrt in unserem klimatisierten Zimmer zu sein. Stand doch am nächsten Tag schon um 7.00 Uhr ein Termin an für die Fahrzeuginspizierung im nicht ganz so sicheren Viertel El Chorillo.

14. März 2019.

Wie gesagt, früh auf und um 6.30 Uhr standen wir mit Büdchen und BMW mitten im Viertel El Chorillo und warteten mit einigen Anderen und deren Fahrzeugen auf die Inspizierung. Gegen 9.30 Uhr waren wir fertig. Wer denkt, das sei es jetzt gewesen, liegt falsch. Nun bekamen wir den Termin für heute um 14.00 Uhr beim Zollamt in Panama City zur Abholung der Ausreisepapiere. Wir waren nach der Mittagspause eine Stunde zu früh auf dem Inspizierungsparkplatz. Ich schnappte mir die Kamera, um zu dokumentieren, dass es hier noch andere Sachen gibt als Hochhäuser und restaurierte Kolonialbauten. Ganz schön hart, die Gegend hier. Plötzlich stand ein Polizist vor mir, der mich fragte, was ich denn hier verloren hätte. Zumindest deutete ich seine spanischen Sätze so. Zurück zum Zollamt, es war jetzt 14.00 Uhr und tatsächlich, nach weiteren zwei Stunden verließen Rita und ich den Zoll mit den Papieren, die wir für die Verladung im Hafen von Colón benötigten. Termin war mit Ever Logistic auf den 19. März 2019 in Colón festgelegt worden.

15. März 2019.

Büdchen hatte seine Inspektion erhalten, nun stand dies bei der BMW an. Praktisch, im Parkhaus zu sein. Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwar gleich, aber keine direkte Sonnenbestrahlung, die hier auch bei scheinbar bedecktem Himmel groß ist. Beim Ölwechsel fiel mir auf, dass sich eine Schraubverbindung des Hauptständers auf den Weg machte, sich zu verabschieden. Rita lachte immer, weil ich Schrauben eingepackt hatte, mit denen ich mindestens drei komplette Motorräder zusammenbauen könnte. Nach Abschluss der Arbeiten musste die BMW noch auf Büdchens Rücken und die Fuhre war bereit zur Verschiffung. Ich war für heute platt.

16. und 17. März 2019. Wir unternahmen nicht viel, sahen uns ein paar Straßenzüge rund um unser Hotel an und erfuhren so, dass das Einfamilienhaus direkt neben unserem Hotel einer Boxlegende gehört. Es handelt sich um den besten Mittelgewichtsboxer aller Zeiten. Roberto Durán, geboren in Panama City, startete seine Profikarriere im Alter von sechzehn Jahren und beendete sie erst mit fünfzig Jahren. Er holte in seiner Karriere fünf Weltmeistertitel. Nicht weit von seinem Haus hat man ihm zu Ehren ein Standbild errichtet.

In diesem Zusammenhang möchten wir erwähnen, dass es in Köln einen Boxer gab, der bis zum heutigen Tag etwas Einmaliges vollbracht hat. Er hat keine Weltmeisterschaft gewonnen, aber nachdem man ihn im Ring beleidigt hatte, gab es für ihn nur eine mögliche konsequente Reaktion und er schlug den Ringrichter Pippow k.o. Sein Name Peter Müller, geboren 1927 in Köln-Sülz, gestorben 1992 in Köln-Bayenthal, in Köln „Müllers Aap” genannt. Peter Müller war mehrmals Deutscher Meister, aber was viel wichtiger ist, er war ein Mensch „met dem Hätz om richtije Fleck”.

18. März 2019. Text schreiben für unseren Panamericana Blog stand an.

19. März 2019. Der Tag der Verladung. Früh aus den Federn, sollten wir doch um 8.00 Uhr in Colón sein. Büdchen hatte die BMW schon auf dem Rücken und so stand der Verladung nichts mehr im Wege. Wir trafen um 8.00 Uhr Boris Jaramillo von Ever Logistic und fuhren zusammen zum Verladeplatz. Dieser Teil des Hafens sah eher aus wie ein LKW-Friedhof und so sollte auch die Verladung ablaufen. Container befand sich auf einem Truck, Rampe war keine da und so fuhr ich Büdchen mit GS auf dem Rücken zuerst einmal auf einen herbeigeholten Abschleppwagen, der uns im zweiten Akt zum Container brachte. Hochgepumpt auf Containerhöhe fuhr ich nun Büdchen rückwärts in den Container. Viel Platz blieb links und rechts nicht mehr. Geschafft, verschlossen, versiegelt. Das sollte es gewesen sein. Wir hofften, uns in Kolumbien wiederzusehen.

Im Anschluss an diese Aktion fuhren wir wieder zum Zoll in Colón, um alle Frachtpapiere zu bekommen. Nachdem wir bei Ever Logistic bezahlt hatten, nahmen wir ein Taxi zum Busbahnhof nach Colón. Wir machten vom Busbahnhof und den Chicken Buses noch ein paar Fotos, auf denen die künstlerische Gestaltung der Transportmittel gut herüber kommt. Anschließend Rückfahrt mit dem Bus nach Panama City.

20. März 2019. Text für den Panamericana Blog war angesagt und etwas Ruhe.

21. März 2019. Preiswert ist es nicht, mit einem Ausflugsdampfer den Panamakanal zu befahren. Aber man ist wahrscheinlich nur einmal in Panama. Halbtagestour, wieder einmal früh los. Mit dem Taxi zum Startpunkt, der auf einer Halbinsel im Marinabereich lag und einen sensationellen Blick auf die Skyline von Panama City bot. Die Abfahrt des Busses zum Schiff verzögerte sich bis 11.00 Uhr und so hatten wir Zeit, den Blick auf die Skyline zu genießen. Leinen los. Abfahrt des Schiffes war in Höhe der zweiten Brückenverbindung zwischen Nord- und Südamerika, welche zum kleinen Jubiläum 2004 – 90 Jahre Schiffspassage – eingeweiht wurde. Die Jahrhundertbrücke Puenta Centenario. Wir möchten Sie jetzt nicht mit den Daten und Superlativen des Panamakanals langweilen. Würde auch zu lange dauern.

Daher halten wir nur Folgendes fest. Der Kanal ist beeindruckend. Technik, die zwar heute von Computern unterstützt wird, hat sich im Grunde seit hundert Jahren nicht geändert. In der Computerwelt würde man sagen, so glauben wir, die Hardware ist die alte. Wir erlebten drei Schleusendurchfahrten zusammen mit einem Frachtschiff, sahen die Arbeit der Lokomotiven links und rechts des Kanals und fuhren nach sechs Stunden am Hafen Balboa/Panama City vorbei, und liefen im Anschluss unter der Brücke der Amerikas unseren Marinastützpunkt an. Diese Kanaltour hätten wir nicht verpassen wollen.

22. März 2019. Packen war angesagt.

Nord-Süd-Fahrt Beipackzettel zur Reise

1 Jahr, 4 Monate und 19 Tage unterwegs auf der Panamericana

Bitte zweimal lesen. Wir haben auf unserer Panamericana Tour Zentralamerika durchfahren und soviel Armut gesehen, dass wir zufrieden sind. Man stelle sich nur mal vor, alle Menschen würden so leben wie wir aus den Industrieländern. Unsere Mutter Erde – Pacha mama – (Für die Gender-Debatte: Habe leider keine Vater Erde – Pacha papa – gefunden) hätte schon längst kapituliert.

9.-22. März 2019 · Panama City · Panamá