NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Mexicali
Baja California
Mexiko

13. November 2018. Wir hatten gehört, dass das Überschreiten der Grenze nach Mexiko schwierig werden kann. Viele schwören auf Mexicali, andere raten ab und favorisieren Tecate. Tiguana fiel weg, weil Tausende Flüchtlinge aus Zentralamerika auf dem Weg dorthin sind oder schon vor Ort angekommen waren. Um an der Grenze nicht getrennt zu werden, kam die BMW auf den Motorradträger und los ging's. Die Interstate 10 fahren wir nicht, sondern nehmen die wenig befahrene kleine Road 86 südlich davon, die vor Mexicali auf die Interstate 8 trifft. So war der Plan.

Karge Steppe, links in der Ferne Berge, wahrscheinlich schon Mexiko. Militärkontrolle, kein Problem und weiter bis Ajo. Ein auf der US-amerikanischen Seite sehr mexikanisch anmutender Ort. Das zweite Mal auf unserer Reise – Boise, Idaho – standen wir vor ausgewiesen toller Graffiti. Geld musste noch von der Bank abgehoben werden und das war unser Glück. Ohne Pass kein Geld am Schalter der Bank in Ajo. Pässe im Hotelzimmer in Tucson zu gut versteckt, also zweihundert Kilometer zurück. Gleicher Militärposten, jetzt die Frage nach unseren Pässen. Wir hatten unsere Kopien noch und durch die Aufregung wurde aus meinem nicht allzu guten Englisch jetzt ein Unverständliches und die Soldaten winkten uns nach einiger Zeit genervt durch.

Hotel Best Western, Tucson, okay, Pässe da, einchecken.

14. November 2018. Am nächsten Tag direkt über die Interstate 10 und 8 Richtung Mexicali, mit der Überlegung, nochmal in den USA zu übernachten, um morgens fit und ausgeschlafen die Grenze zu meistern. Etwas sei noch erwähnt. Zeitlich hat es mit der Besichtigung des größten Flugzeuggeländes der Welt „Davis Monthan Air Force Base“ nahe Tucson nicht mehr geklappt, um so überraschter waren wir auf dem Weg nach Mexiko, den „Pinal County Airpark“ zu finden.

Motel Value Inn, El Centro. Meine Haare hatte ich seit Reisebeginn nicht mehr schneiden lassen und somit beschloss ich in El Centro den Gang zum Friseur, um die Ähnlichkeit zum Passbild wieder herzustellen. Bei einem „Rapperfriseur” durfte der schwergewichtige Berufsstarter Hand an meinen Kopf legen. Das Ergebnis ist nicht zu beschreiben und so bewies Rita abends im Hotel, dass sie weitaus besser Haare schneiden konnte als mein Start-up-Friseur.

15. November 2018. Es war soweit, Mexicali Grenze. US-Zöllner weit und breit keine zu sehen. Jetzt die Mexikaner, „Buenos Dias”, ins Zollgebäude. Einreisebetrag gezahlt, ein Lächeln und wir waren in Mexiko. Ja wir, Büdchen und BMW mussten ja noch durch den Einfuhrzoll, etwa zehn Kilometer quer durch die Stadt. Vor dem Zoll eine Schlange – wir standen falsch. Nach einer Stunde dann richtig. Der bzw. die Banjercito-Mitarbeiter prüfen die Papiere und dann geht es durch den Zoll. Wir hatten alles an notwendigen Papieren, so glaubten wir. Reisepässe, Führerscheine und Fahrzeugpapiere, international wie auch national, Impfausweise sowie Kfz-Versicherungen.

Das geht jetzt ruckzuck. Alles klar, bis zu den drei bereits mit uns beschäftigten Beamten noch ein weiterer aus dem Nebenzimmer dazu stieß. Wir sahen uns an und uns wurde klar, das wird dauern.

Alles auf Start. Inspektion der Papiere und dann nach gefühlter Ewigkeit das Kopfschütteln und das Wort „No”, verstärkt durch ein zweites und drittes „No, No”. Frage warum. Eine Person könne nur ein Fahrzeug einführen nach Mexiko, aber beide Fahrzeuge seien zugelassen auf Klaus Karl Klütsch. Stundenlanges Telefonieren mit vermeintlichen Vorgesetzten brachte keine Wende. Doch plötzlich, eine Beamtin hatte Erbarmen. Die Frage: „Seid ihr denn verheiratet? ” und das von uns beiden schnell geantwortete: „Si, Si, Si! ”. Hier nochmals unsere Pässe – Malgorzata Klütsch und Klaus Klütsch. Jetzt kam die Stunde unseres Lieblingsbeamten: „Ja, haben Sie denn Ihre Heiratsurkunde mit, um diesen Zustand nachzuweisen? ”. Sprachlich konnten wir anscheinend nicht mehr reagieren und so entglitten uns die Gesichtszüge.

Heiratsurkunde war in Köln, wo auch sonst. Eine Mail oder ein Foto der Urkunde würde reichen und bei uns kam Hoffnung auf. Auf nach McDonalds wegen WiFi. Heinz anrufen, der mittlerweile nicht nur den Blog macht, Zeitverschiebung neun Stunden, er wollte gerade ins Bett. Zwei Stunden später hatte unsere Bodenstation in Köln uns die Urkunde per Mail übermittelt. Jetzt schnell zurück zum Zoll. „Hier, Heiratsurkunde auf dem Display, sehen Sie.” Und dann das Unglaubliche – das Original sollte es aber schon sein. Ich glaube, mein Gesicht und der Satz mit Inhalt „Botschaft Alemania, Mexiko Stadt” hat uns geholfen. Wir sollten jetzt nur noch das Dokument ausdrucken, vom Zoll abstempeln lassen, bezahlen und wir wären durch. Wir fanden ein Büro in der Nähe, in dem die Mitarbeiter so nett waren, uns die Heiratsurkunde auszudrucken, gingen die Stempel beim Zoll besorgen und dann wieder zu unserem Freund im Banjercito, wo noch bezahlt werden musste. Nach sieben Stunden waren wir fertig. Durch und durch fertig …

Hotel One in Mexicali nahm uns auf.

13.-15. November 2018 · Mexicali · Baja California · Mexiko