NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Montevideo
Uruguay

13. Oktober 2019.

Abreise nach Montevideo in Uruguay. Die Firma Buquebus hat hier das Monopol für den Fährverkehr, was sich in der Preisgestaltung bemerkbar macht. Nicht billig. Abfahrt 17.00 Uhr ab Buenos Aires. BMW GS war wieder auf dem Träger, nachdem wir sie für die Zeit in Buenos Aires heruntergenommen hatten. Die riesige Deltamündung des Rio de la Plata trennt Argentinien und Uruguay. Entfernung von Buenos Aires nach Montevideo etwa 200 Kilometer. Das Wasser des Mündungsbeckens des Rio de la Plata ist braun und lehmig und strebt so dem Atlantik entgegen. Bilder aus dem All zeigen dies eindrucksvoll.

Zur Fähre. Seit 2013 verkehrt die Fähre „Francisco“, benannt nach dem amtierenden argentinischen Papst, auf der Strecke nach Montevideo. Es ist ein Katamaran, der als schnellstes Fährschiff der Welt gilt. Höchstgeschwindigkeit 107 km/h. Es wurde eine unruhige Fahrt. Aufkommender Sturm verursachte bei so manchen Passagieren Übelkeit. Erreichten nach zweieinhalb Stunden Montevideo in Uruguay. Migrations- und Zollformalitäten wurden zügig erledigt und ab zum Hotel.

AXSUR Design Hotel
  • Unsere Empfehlung
  • AXSUR Design Hotel
  • Misiones 1260, 11000 Montevideo,
  • Departamento de Montevideo, Uruguay.

14. Oktober 2019.

Nebensaison bescherte uns einen günstigen Kurs im Hotel, dass aber auch bei einem höheren Preis eine Empfehlung verdient gehabt hätte. Bevor unsere Füße das Zentrum von Montevideo in Angriff nehmen sollten, ein paar Informationen zu Stadt und Land.

Anfang des 16. Jahrhunderts waren es die Spanier, die kleine Siedlungen gründeten. Die Gründung Montevideos erfolgte erst 1726. Uruguay gehört zu den kleinsten Länder auf dem südamerikanischen Subkontinent und ist halb so groß wie Deutschland. Die Einwohnerzahl des Landes liegt bei 3,5 Millionen, wobei alleine 1,5 Millionen auf die Hauptstadt Montevideo entfallen. Das Land feierte 1825 seine Unabhängigkeit. Uruguay wird demokratisch regiert und die Verfassung ähnelt stark der Spanischen. Darüber hinaus gilt das Land als eins der sichersten in Südamerika. Landwirtschaft, insbesondere Viehwirtschaft, dominiert das Bild der überwiegend flachen Landschaft.

Wir zogen los. Die Plaza de la Independencia ist Mittelpunkt der Altstadt und nicht weit vom Hafenviertel entfernt. Im Straßenbild suchen wir, wie bereits in Teilen von Südchile und Argentinien, vergebens nach Indigenen. Es gibt sie, aber nur vereinzelt. Europäer haben in vergangenen Jahrhunderten im südlichen Südamerika die Urbevölkerung zuerst zurückgedrängt und letztendlich ganz ausgerottet. Montevideo verbreitet ein Gefühl des Aufbruchs, auch wenn viele Bauwerke aus der Kolonial- und Jugendstil-Epoche noch auf ihre Restaurierung warten. Die Substanz ist vorhanden, obwohl Pflanzen an leerstehenden Gebäuden versuchen sich ihre Welt zurückzuerobern. So entsteht ein ganz besonderer Charme zwischen Aufbruch und Vergehen.

Unserer Neugierde verdanken wir, dass es Geschichten gibt, die darauf warten, erzählt zu werden. Bei unserem Streifzug durch das Hafenviertel fiel uns ein Gebäude auf, auf dessen Fassade Boxer abgebildet waren. Wir traten ein und standen in den heiligen Hallen der „Asociación de Boxeadores del Uruguay“, einem alte Box-Gym, wie man ihn sich vorstellt und aus alten Box-Movies kennt. Wunderbar. Der Boxring, die Sandsäcke, die Punchingball-Stationen, Bilder und nicht zuletzt die Devotionalien des Boxsportes aus vergangenen Jahrzehnten. Plötzlich stand der Leiter und Betreiber des Box-Gyms vor uns. Ari Montiel, ehemalige uruguayische Boxgröße. Er war sichtlich erfreut, Menschen aus Deutschland zu treffen, die sich für sein Box-Gym und den Boxsport interessierten. Wir sollten uns alles ansehen und Fotos machen, so viele wir wollten. Nachdem wir alles in Augenschein genommen hatten, stand Ari Montiel wieder neben uns. Stolz stellte er uns einen Boxer vor, der Uruguay bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko im leichten Weltergewicht vertreten hatte. Carlos „YeYe“ Casal, heute dreiundsiebzig Jahre alt, unterbrach seine tägliche Trainingsarbeit. Wir begrüßten ihn und waren beeindruckt, wie intensiv und flink Carlos Casal den Boxsack und Punchingball traktierte. Ehrlich gesagt, sicherlich hätte ich keine lange Halbwertzeit im Ring gegen ihn gehabt. Begeistert und angerührt von der Herzlichkeit, die uns hier entgegengebracht wurde, fiel die Verabschiedung, obwohl wir uns gerade erst kennengelernt hatten, emotional aus. Ari gab uns, als wir den Box-Gym verlassen wollten, einen von ihm verfassten Text mit. In diesem Text weist Ari alle Menschen darauf hin, das Respekt für den Anderen und für die Umwelt die wahre Größe eines Menschen ausmacht. Da gibt es nichts hinzuzufügen.

Der anschließende Spaziergang zum Hotel, vorbei am berühmtesten Bauwerk der Stadt, dem Palacio Salvo, bescherte uns noch ein Fotomotiv mit Heimatbezug. Ein Café, welches sich den bedeutenden Namen „11.11“ gegeben hat. So bedeutend, dass die Außenwerbung überwacht wird – siehe Bildnachweis.

15. Oktober 2019.

Aus den Unterlagen der Firma Seabridge ging hervor, dass die Fahrzeuge im gereinigten Zustand zur Verschiffung gebracht werden müssen. Autowäsche für Büdchen und BMW GS stand also an. Während der Fahrzeugreinigung streiften wir durch die Altstadt und landeten im „Teatro Solís“. Das Theater befindet sich in einem im neoklassizistischen Stil erbauten Gebäude. Es ist zwar nicht so beeindruckend wie das „Teatro Colon“ in Buenos Aires, dafür bekamen wir aber für den Abend noch Karten. Das klassische Konzert sollte sich mit dem deutschen Komponisten Robert Schumann beschäftigen, der ja lange Zeit seines Schaffens im Rheinland verbrachte. Zusammenfassung des Tages. Büdchen und alte BMW waren sauber und Konzert brachte uns musikalisch noch Kultur am Ende der Reise.

16. Oktober 2019.

Verlade- bzw. Abgabetag für unsere Gefährten im Hafen von Montevideo. Zuerst Aduana/Zoll, dann Abgabe beim Agenturbüro im Hafen. Erster Schritt in Richtung Heimat.

17. Oktober 2019.

Die Luft war raus. Wir packten den Rest unserer Sachen, gingen abends Essen und sagten Montevideo schon mal auf Wiedersehen. Eine Stadt, die sich durch ihre Größe mit 1.5 Millionen Einwohnern eine angenehme Übersichtlichkeit erhalten konnte, deren alte Bausubstanz ihr einen eigenen Charakter verleiht und wo stabile Verhältnisse im Staatswesen Uruguays dazu beitragen, dass ein Besuch sehr entspannend und angenehm werden kann.

13. bis 17. Oktober 2019 · Montevideo · Uruguay