NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Coldfoot
Dalton Highway
Alaska
USA

5. August. Voller Vorfreude auf den „Dalton Highway”, einer der zehn Todesstrecken laut Netz und nur von Berufskraftfahrern befahren, außer ein paar, die es wissen wollen, hörten wir viel über die Strecke zum Polarmeer.

Ein paar Daten zum „Dalton Highway”. Gebaut in nur fünf Monaten im Jahr 1974 verbindet er Fairbanks mit Deadhorse nahe der Beaufortsee. Gesamtlänge bei Wikipedia 666 Kilometer, real gefahren etwas über achthundert Kilometer, stimmt auch mit den Angaben auf den Entfernungsschildern überein. Deadhorse nach Fairbanks 495 Miles. Es gibt keine richtigen Ortschaften des Weges, aber die Trans-Alaska-Pipeline, die von Prudhoe Bay bis Valdez am Pazifischen Ozean führt, ist bis auf einige Teilstücke ständiger Begleiter und bleibt in Sichtweite.

Richtig! „Valdez”, da war doch was und ist vielen noch in Erinnerung. Ja, das Tankschiff Exxon Valdez lief am 24. März 1989 in Alaska am Bligh Reef auf Grund und verursachte eine durch elf Millionen Gallonen auslaufendes Rohöl eine fürchterliche Umweltkatastrophe.

Aber zurück zur Strecke, welche zu neunzig Prozent ungeteert ist und bei schlechtem Wetter wie Schnee, Sturm oder Regen einen Allradantrieb zur Voraussetzung macht. Es ist mir bis heute nicht gelungen, an die Zusammensetzung der Chemikalie zu kommen, die per Tankwagen auf die Schotterstrecke aufgebracht wird, damit sie auch bei schlechtem oder nach schlechtem Wetter zu befahren bleibt. Die spätere Reinigung des Fahrzeuges wird dadurch zur Tortur, weil es Schotter, Staub und sonstigen Dreck nicht nur auf der Straße verdichtet. Auf der gesamten Straße gibt es einige Servicestationen für Trucks und Versorgungsfahrzeuge, die ständig den Ölstandort Prudhoe Bay mit allen Notwendigkeiten versorgen. Von Coldfoot, ungefähr in der Mitte des Highways, bis Deadhorse gibt es dann aber keine Versorgungsmöglichkeiten mehr. Zuerst genug der Info.

Also voller Vorfreude sollte es am Sonntag losgehen. Ein Blick aus dem Fenster und die Freude wich der Skepsis, sehr starker Regen hatte sich über Nacht eingestellt. Wir starten trotzdem. Ein Kanadier, der mich beim Aufsteigen aufs Motorrad, Regenkombi hatte ich schon an, nach dem Weg fragte, schüttelte nach meiner Antwort nur den Kopf, schaute noch aufs Kennzeichen und ging. Wir betankten beide Fahrzeuge und nach gefahrenen fünfzehn Kilometern war klar, das haut so nicht hin. Zurück zum Apartment, Zimmerkarte war schon als ausgechecked ungültig, stand ich relativ nass im Flur. Raus aus den nassen Klamotten, rein in trockenes Zeug und ein Lächeln von Rita sagt mir, ihr war das ganz recht. 1600 Kilometer mit dem Büdchen, Allrad hin oder her, hat sie, so glaube ich, doch etwas zweifeln lassen, ob es für sie das Richtige gewesen wäre.

BMW abgeschlossen, Abdeckplane drüber und der Startpunkt der Panamericana „Prudhoe Bay” sollte auf keinen Fall entfallen. Nun lag alle Last auf unserem Büdchen. Es war wirklich ein Sauwetter und die ersten Kilometer machte der „Dalton Highway” seinen verschiedenen Namen alle Ehre. Es regnete bis zur Yukonüberquerung wie aus Eimern. Den Dalton Highway mit seiner grandiosen Landschaft, den gibt es ja auch noch in so fantastischer Weise und lässt sich bis zur kontinentalen Wasserscheide am Atigun Pass am einfachsten mit einem Berggipfel über 3000 Meter erklären. Wenn man ihn umschmeißt und dann von unten nach oben befahren würde. Meint; zuerst Täler, Wälder aus Nadel- und Mischwald, dann mehr und mehr abgelöst durch nur noch Nadelwald und Birkengehölze. Weiter Richtung Norden / Spitze Schwarzfichten, die einzigen Bäume, die dem rauhen Klima noch standhalten können. Es folgt die Baumgrenze und das Atigun Gebirge, sprich Pass, was die Gipfelregion eines Berges widerspiegeln würde. Hier wäre beim Berg Ende, der Weg nach Norden verspricht aber noch über zweihundert Kilometer Tundren, die immer flacher zum Polarmeer auslaufen.

Kölner Augenblicke. Selbst im äußersten Alaska hat Kölner Geschichte ihr Spuren hinterlassen. Plötzlich und unerwartet stoßen wir auf das weltweit bekannte Kürzel für „Echt Kölnisch Wasser” – 4711. Aufgebracht an einen Stützpfeiler der Trans-Alaska-Pipeline. Schicken die Franzosen noch immer Reiter durch die Welt, um Gebäude und Bauten mit Straßen- bzw. Hausnummern zu versehen. „Glockengasse”. Alles Nachdenken lässt uns zu keinem Ergebnis kommen und so geben wir das Bild frei für die eigene Phantasie.

Zurück zur Fahrt. Wir waren ja schon riesige Trucks seit Betreten des amerikanischen Nord-Kontinents gewohnt, aber hier gilt das magische Wort „Oversize”, was auf Begleitfahrzeugen Trucks ankündigt mit dreizehn Achsen und mehr, ganze Containerhäuser transportierend, riesige Raupen, Bagger und jedwedes Equipment, was Mensch und Maschine am Ölproduktions- bzw. Ölbohrstandort Prudhoe Bay brauchen. Mit unveränderter Geschwindigkeit kommen sie einem entgegen oder nutzen ein Bergabstück zum überholen. Ergebnis: Steinschlag an der Windschutzscheibe, auch beim Büdchen. Der erste Tag Richtung Prudhoe Bay neigte sich dem Ende und Rita und ich parkten unser Büdchen in der Nähe der Tanke im Serviceort Coldfoot und beenden den Tag.

5. August 2018 · Coldfoot · Alaska