NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Craters of the Moon
Idaho
USA

27. September 2018. 27. September 2018. Aufbruch! Wir fahren noch einmal am Lake Hebgen vorbei Richtung West-Yellowstone. Uns haben die sechzig Kilometer An- und Rückfahrt vom Campground Campfire Lodge zum Park nichts ausgemacht, möchten aber darauf hinweisen, dass sich bei Dunkelheit oft Tiere auf der Straße befinden oder diese überqueren.
Nach Montana folgt jetzt Idaho als weiterer Bundesstaat im Nordwesten der USA. Wir fahren auf der 20 Richtung Idaho Falls durch bewaldete und landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Ab Idaho Falls ändert sich dann das Bild. Es wird flach und wir fahren auf der 26 Richtung Atomic City. Es begleiten uns unendlich erscheinende Gras- und Getreideflächen, bis nach einiger Zeit links große Vulkankegel sich in den Himmel recken und rechts die Landschaft einer Steppe gleicht.
Straßen, die rechts scheinbar ins nichts führen, Richtung Bergkette in der Ferne, sind auf einmal gesperrt oder mit Hinweisschildern versehen, dass es sich um eine „Restricted Area” handelt. Also Zutritt nur mit Erlaubnis. An einer „Restarea Station”, so nennt man hier Halteplätze mit Toilettenhäuschen, genau wie überall in Nordamerika Toiletten in Cafés, Restaurants oder öffentlichem Raum „Restroom” heißen, ist dann erklärt, warum es hier „Restricted Areas” gibt.
Das Gebiet, durch das wir fahren, wird seit 1949 als Forschungsgebiet zur Nuklearentwicklung und -erprobung genutzt - Idaho National Laboratory (INL). Über fünfzig Reaktoren sind seitdem gebaut worden und haben hier sowohl der Militärforschung als auch der Forschung zur Energiegewinnung gedient. Es wird auf Schautafeln alles erklärt von den Anfängen bis in unsere Zeit. Man stelle sich das bei uns Zuhause vor. US-Amerikanische Bürger haben da einen ganz anderen Zugang zu, obwohl die Entsorgung des Atommülls weltweit ungelöst ist.

Es ist unheimlich. Man sieht am Horizont Reaktorenkuppeln, Vulkane, eine Bergkette im Dunst und die Temperaturen steigen und dies alles auf einer Hochsteppe von circa 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Als Nächstes erreichen wir, wie kann es anders sein, Atomic City. Ein Ort mit unter zwanzig Einwohnern. Aber das für uns Skurrilste sollte noch kommen. Arco, Kreisstadt mit einer Einwohnerzahl unter Tausend, nennt einen Gedenkplatz sein Eigen, den wir nicht vergessen werden. Vorab dies. Im Hintergrund des Ortes Zahlen auf dem Felsen eines Berges geschrieben: „Arco Number Hill”. Wir dachten, Verunglückte, Tote durch Strahlung. Nein. Highschool-Absolventen hinterlassen hier seit 1920 die Jahreszahl ihres Abschlusses zur Erinnerung an die Schulzeit.

Jetzt zur Gedenkstätte in Arco auf engstem Raum. Ein Platz mit Fahnen für alle, die ihr Leben für das Vaterland gegeben haben. Ein U-Boot-Gefechtstandturm (666), ein Nuklear-Torpedo mit zwei Gedenktafeln für gefallene Soldaten der Submarineflotte der US-Navy, ein Hinweisschild auf das „Mega-Peace-Museum”, welches zeigen soll, dass die Welt durch Atomtechnik sicherer geworden ist.

Zuletzt treffen wir einen freundlichen älteren Harley-Fahrer, der mich Platz nehmen ließ auf seiner Harley Davidson und stolz erklärte, er sei es, der die Gedenkstätte pflegt und instand hält. Uns steht es nicht zu, hier Kommentare abzugeben. Vielleicht etwas Zuviel, aber uns als Volk würde manchmal etwas mehr Ehrerweisung gegenüber Soldaten und Soldatinnen, Polizeibeamten, Feuerwehrleuten, Sanitäter und dergleichen nicht schlecht zu Gesicht stehen. Nachdem ich wieder auf meiner alten BMW GS saß und davonbrausen wollte, sprang die Harley des netten Mannes nicht mehr an und ich dachte so bei mir: „Hoffentlich ist das nicht irgendwann bei jeder Technik so.”

Wir fuhren weiter und da die Uhr schon den Abend einläutete, waren wir überrascht und froh, plötzlich unverhofft an einen magischen Ort zu gelangen, dem „Craters of the Moon” National Monument. Es ist ein Nationalpark, der wie eine Mondlandschaft aussieht, da vor zweitausend Jahren hier Lava durch die Erdkruste empor quoll. Mehr als Worte sagen hier bestimmt die Fotos. Zu erwähnen wäre noch, dass die Astronauten des Apollo-Programms hier ihr Trainingsareal hatten.

28. September 2018. Wir campten hier und blieben noch einen weiteren Tag für eine Lava-Wanderung.

27.-28. September 2018 · Craters of the Moon · Idaho