NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Bahía de los Ángeles
Baja California
Mexiko

20. November 2018. Nach drei Nächten ging es weiter auf der México Uno. Ziel ist Bahía de los Ángeles - Sea of Cortez. Schon nach ein paar gefahrenen Kilometern sahen wir in einem kleinen Ort einen paradeähnlichen Umzug. Auf unsere Nachfrage gab es eine stolze Antwort: „Jahrestag der mexikanischen Revolution”. Weiter durch Obstanbaugebiete, dann links auf eine mit Kakteen bewachsene Hochebene. Nachtlager in Santa Inés in Cataviña. Altes Kloster. Zimmer in Ordnung, Küche abzuraten. Drei Gin für jeden nach dem Abendessen sagte unseren Mägen: „War doch gar nicht so schlimm”.

21. November 2018. Bahía de los Ángeles. Es ist wunderschön, aus den Bergen hinunter ans Meer zu fahren. Campground direkt am Meer. Die Sanitäranlagen werden einfacher oder - wie wir noch sehen sollten - fehlen ganz. Ist halt so. Sonst wäre der Schwarzwald eine Alternative. Wir blieben vier Nächte. Besondere Tage.

Ab hier gibt es Palapas, strohgedeckte Unterstellplätze, meistens nach zwei Seiten offen. Das Besondere: Links von uns Alex, ein introvertierter US-Bürger aus dem Staate Washington mit tschechischen Wurzeln. Sehr wortkarg, nicht sehr begütert, schläft in seinem alten Auto. Rechts von uns Mr. John Starke, US-Bürger, Unternehmer, baut in New York City Hotels zu Design-Hotels um, wahrscheinlich nicht verarmt. Reisemobil: mintgrüner, umgebauter und total renovierter alter Schulbus, wie wir sie lieben und aus so manchen US-Filmen kennen. Equipment: Klima, Bose-Sound, Vollholzküche und dergleichen, Kanu, E-Bikes, Quad und Motorschlauchboot und weiß der Himmel, was sich noch alles im Verborgenen auf dem Dach befand.

22. November 2018. John weckte am ersten Morgen mit toller Soulmusik aus seiner portablen Bose-Anlage. Der zweite Tag, es war Thanksgiving, stand noch ein junges Pärchen in der Reihe und nach dem Frühstück, keiner weiß wie, saßen das Pärchen, Alex und John, Rita und ich auf einmal zusammen. Zwei Flaschen Wein, vierundzwanzig Büchsen Bier und anderthalb Flaschen Bourbon später kannte man sich und kreuzte bereits verbal die Klingen. John behauptete, Köln habe keinen internationalen Airport und wo dieser Ort überhaupt sei, was mich veranlasste, kölsche Lieder zu singen, um ihm die Bedeutung unserer Stadt näherzubringen. Am nächsten Tag wurden wir mit guter Soulmusik und Kaffee geweckt.

23. November 2018. Am letzten Abend, das Pärchen war schon abgereist, kamen Olaf, Jeff und Jonas, alles Biker, dazu. Olaf trafen wir bereits in Haines Junction in Yukon, Jeff in Manitoba, nur Jonas, ein Belgier, war uns noch nicht über den Weg gelaufen. Es wurde ein gemütlicher Abend bei Spaghetti und ein paar Bier und gut war's.

24. November 2018. Als sich morgens ganz früh John verabschiedete, klaffte nicht nur wegen des riesigen „Old-School-Bus” eine Lücke. Als Mensch war er besonders und fehlte. Der Extrovertierte war weg und als wir starten wollten, kam Alex, der Introvertierte, und drückte uns. In diesem Moment fühlten wir, das diese Tage unausgesprochen etwas Besonderes waren, das man behält.

20.-24. November 2018 · Bahía de los Ángeles · Baja California · Mexiko