NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Fairbanks
Alaska
USA

1. August. Wir übernachten in Tok in einem Motel. Die morgendliche Nachfrage nach einer Werkstatt oder Reparaturhilfe wurde von mir nach viermaligem „only cars” beendet und wir fahren mit dem Büdchen die etwa 340 Kilometer nach Fairbanks, wo wir am späten Nachmittag bei Harley Davidson, die auch BMW und Honda sowie Polaris im Programm haben, landeten.
So, kommen wir nun zum ersten größeren Ärgernis auf der Reise. Es ist Abend, kurz vor Werkstattschluß. Wir warten auf die Diagnose, was mit unserer alten BMW los ist und da wird sie uns auch vage gestellt. Das Kabel zum Hallgeber ist gebrochen, man könne es flicken, aber man würde keine Gewähr übernehmen. Vor allem für die geplante Tour zum Polarmeer über Schotter, immerhin etwa achthundert Kilometer, den gefürchteten „Dalton Highway”. Das Kabel gibt es als Ersatzteil nicht einzeln, sondern nur mit dem dazugehörigen Hallgeber, und der müsste per Express mit zehnprozentigem Aufschlag in Kalifornien bestellt werden. Wir baten um Bedenkzeit, ob Flicken oder Austausch, und quartierten uns gegenüber der Werkstatt im viel zu teuren Best Western für eine Nacht ein. Für alle, die mal nach Alaska wollen: Alaska ist – wie eine Insel – sehr teuer.

2. August. Am nächsten Morgen, wir sind wieder in der Werkstatt, kommt der Mechaniker auch schon auf uns zu und führt uns zur BMW. Drückt auf den Anlasser und die alte BMW springt an und läuft. Strahlen tritt in unsere Augen, um nach der nächsten Aussage des Monteurs wieder zu erlöschen. Ja, das Kabel konnten wir flicken, aber die Batterie würde sich entladen und das läge höchstwahrscheinlich an dem Rotor der Lichtmaschine und der würde über vierhundert US-Dollar kosten und müsste auch per Express aus Kalifornien besorgt werden, aber er würde das ja noch prüfen. Den Monteur sahen wir an diesem Tag nicht mehr, nur zwei Stunden und mehrere Kaffees später kam der Werkstattleiter mit einem Zettel, den ich in der Drucksituation auch prompt unterschrieben habe, und sagte, wenn wir den Rotor jetzt bestellen, ist der bis Samstagmittag eingebaut und die BMW rollt.
Etwas „bedröppelt” verließen Rita und ich das Firmengelände, um uns um eine etwas preiswertere Unterkunft bis Sonntag zu kümmern, um dann hoffentlich den sagenumwobenen „Dalton Highway” angehen zu können.

3. August. Pünktlich freitags, kurz vor Werkstattschluß, erhielten wir eine E-Mail. Frei übersetzt: „Alles klar, Motorrad läuft, wird gerade noch gewaschen. Bis morgen.

4. August. Werkstattleiter war, wie sollte es anders sein, nicht da, aber der Monteur. Ich verlangte, das ausgetauschte Teil zu sehen und man legte mir einen alten, sauberen Rotor auf die Theke, hielt ein Messgerät daran, an ein Teil, was keinen Kontakt mit irgend etwas hatte, und meinte: „Der ist hin, der zieht den ganzen Strom aus der Batterie”. Ich zahlte 896,29 US-Dollar, wahrscheinlich um ein gebrochenes Kabel zu flicken und wusste in diesem Moment, Wissen über Dinge, die man nutzt, ist manchmal nicht falsch, Thema Motorradelektrik.
Zum Schluss. Motorrad wurde nicht gewaschen, sah immer noch aus wie Sau. Klaus, und jetzt lass es gut sein.

1.-4. August 2018 · Fairbanks · Alaska · USA