NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Las Vegas
Nevada
USA

21. Oktober 2018. Die Nacht brachte, außer das ein Gewittersturm über uns hinweg zog, den großen Zeh meines rechten Fußes in Wallung. Zweimal Ibuprofen 600 und ein Wachliegen bis zum Morgen war das Ergebnis. Es ging – der Fuß war noch vom Schmerzmittel betäubt – Richtung Las Vegas in Nevada.

Auf dem Weg nehmen wir, und das war gut so, noch etwas Kulturgeschichte mit. Auf der Road 127 von Shoshone nach Death Valley Junction gelangten wir zu einem besonderen Ort, dem Amargosa Opera House. Ein Theater, das von der inzwischen verstorbenen Künstlerin Marta Becket (*9.8.1924 - †30.1.2017) vor fünfzig Jahren gegründet wurde und mit dem sie sich einen Traum erfüllte und letztlich auch ein Denkmal setzte. Es ist uns so wichtig, dies hier zu erwähnen, als Gegenentwurf zu den nächsten Tagen in Las Vegas bezüglich Kultur.

Ankunft im Best Western Las Vegas, unserem Aufenthaltsort bis zum 23. Oktober 2018. Das Best Western am Las Vegas Boulevard – es gibt drei in Las Vegas – hat eine zentrale Lage und liegt mitten im Epizentrum aller Unterhaltungsstätten, die gut zu Fuß erreichbar sind. Für unser Büdchen und die alte BMW GS war der überwachte Parkplatz im Hof wichtig.

Aber zuerst sollte der Zeh meines rechten Fußes im Mittelpunkt stehen. Nachlassende Schmerzmittel und es ging in die Notaufnahme der Universitätsklinik. Könnte wieder einen Lobgesang auf unser Gesundheitssystem starten, lasse dies aber, um allen Amerikareisenden den Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung wärmstens ans Herz zu legen. Wir taten das über den ADAC. Als wir an der Reihe waren, überraschte uns eine freundliche Ärztin nach Inaugenscheinnahme des Fußes mit einer Blitzdiagnose: „Der ist nicht geprellt oder gebrochen, ich tippe auf Gicht (engl. Gout)”. Wir bekamen Lesematerial über Gicht und warteten auf das Röntgen des Fußes, dessen Ergebnis einen Bruch ausschließen sollte. Röntgenbilder lagen vor, nicht gebrochen. Mit Schmerzmitteln versorgt verließen wir das Krankenhaus. Kaum Alkohol (Motorradfahrer), Fleisch und Fisch in normalen Mengen. Gicht? Vielleicht liegt es ja am Kölsch-Entzug, der außer Heimweh noch andere Auswirkungen haben soll. Ergebnis, zusammen gefasst, man wird nicht jünger.

Zurück zu Las Vegas und unserer Kritik an diesem Ort. Das Wort „Fake” wird hier wohl seinen Geburtsort haben. Während sich Massen von Touristen über die Boulevards, Malls und in den Billig-Casinos zwängen und drängen, an 1 Dollar Automaten bei schlechten Drinks ihr weniges Geld verspielen, alte Frauen Bilder mit Prostituierten und deren Mobilnummern verteilen, obwohl Prostitution in Las Vegas verboten ist, und man im Falle des Ausgeraubtwerdens dadurch keine Anzeige erstatten kann, landen nicht weit davon entfernt die Lear Jets der Reichen und Schönen, die in abgesperrten Bereichen der großen Hotels ihre eigene Party feiern. Luxusgeschäfte und Labels, nicht erreichbar für die Touristen-Lemminge, lassen hier keinen Wunsch offen.

Das Venedig, Bellagio, Paris und Zeitepochen hier in Gebäuden nachempfunden werden, mag für viele ein „Disneyland” für Erwachsene sein. Wir sind froh, dass eins der schönsten Bauwerke der Welt, unser Kölner Dom, hier nicht steht. Geht ja auch gar nicht, denn unser Dom „weed jo nie fädich, denn wenn hä fädich wööd, esu säät mer bei uns, jeht jo de Welt ungger”. So, jetzt haben wir das auch geklärt.

Mehr möchten wir zu Las Vegas, der wahrscheinlich größten Waschmaschine der Welt, nicht sagen, außer das man es einmal gesehen haben sollte.

21.-23. Oktober 2018 · Las Vegas · Nevada · USA