NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Quellón
Chiloé
Chile

9. August 2019.

Wir sollten nicht den direkten Weg nach Quellón auf der Panamericana – Ruta 5 – nehmen, so riet man uns. Die westliche Küstenstraße über Quemchi, die bei Castro, der größten Stadt der Insel, erst wieder auf die Ruta 5 stößt, wäre als Strecke ein Genuss. Wir fuhren raus aus Ancud und nahmen sogleich die Küstenstraße. Eine halbe Stunde hatten wir ein Wolken- und Sonnenmix, bevor ein sich verstärkendes Grau den Ton angab. Zusätzlich, und darüber ärgerten wir uns sehr, wurde auf der Strecke an einem neuen Straßenbelag gearbeitet. Nicht ein Kilometer, nicht fünf Kilometer, nein, sage und schreibe fünfunddreißig Kilometer fuhren wir durch eine einzige lehmige Baustelle bis Quemchi.

Stopp in Quemchi. Zur Belohnung sollte es ein gutes Mittagessen geben. Im einzigen offenen Restaurant wurden wir direkt als Deutsche identifiziert und mit „Adolf Hitler” begrüßt. War oft in Südamerikas Süden der Fall. Wir aßen Fisch und das gut. War nicht immer so. Während des Essens zog Ungemach in Form von Stark Regen auf. Alles Abwarten brachte keine Änderung, bedeutete aufs Moped und einhundertsechzig Kilometer durch den Regen nach Quellón. Das einzig Erbauliche auf dem Weg dorthin war, dass wir bei einer Pinkelpause einen Pudu sahen – kleinste Hirschart weltweit. Leider kein Foto. Es wird unterschieden zwischen Nordpudu und Südpudu. Unser Exemplar war ein Südpudu der im westlichen Patagonien seine Heimat hat.

Wir erreichten Quellón, wo sich streunende Hunde, wie schon öfters auf der Reise, mit der alten BMW im Sprint messen wollten. Nicht ganz ungefährlich, besonders bei Regen. Wir landeten auf der Hauptstraße des Hafenstädtchens in der von uns vorab gebuchten Cabaña Emilia. Eine Paraffinheizung sorgte für die Wärme im Zimmer. Der Regen war so stark gewesen, dass der bis jetzt über alle Zweifel erhabene Kombi-Motorradanzug von Stadler kapituliert hatte. Nicht viel, aber immerhin.

10. August 2019.

Es war so trübes Wetter, dass sich die Aktivitäten auf das Auffüllen der Vorräte beschränkte und ein paar Zeilen zum Panamericana Blog dazu kamen.

11. August 2019.

Der Himmel riss auf und wir sahen uns das Städtchen an. Wie Ancud ist Quellón ein Hafenstädtchen und bei Sonnenschein geben die bunten Holzhäuser, die zwar fast einzustürzen drohen, ein nettes Fotomotiv ab. Bei schlechtem Wetter, so stellten wir uns vor, kann so ein Ort auch schon mal aufs Gemüt schlagen. Die Überfahrt nach Chaitén wurde gebucht und wir gingen früh schlafen, mussten wir uns doch am nächsten Morgen mit Büdchen und BMW GS gegen 4.30 Uhr am Fähranleger einfinden.

9. bis 11. August 2019 · Quellón · Chiloé · Chile