NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Galapagos
Ecuador

29. Mai 2019

Büdchen und alte BMW blieben in der Obhut von Gerd in Quito. Für 3.30 Uhr war ein Taxi bestellt, Abflug nach Galapagos um 6.00 Uhr. Neuer Flughafen von Quito liegt etwa 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Vorsichtig, wie wir sind, wurde der Wecker auf 2.30 Uhr gestellt. Was passierte? Um 3.15 Uhr wurde ich – oh Wunder – durch Zufall wach. Taxi war schon da. 3.30 Uhr saßen wir im Taxi. Nicht schlecht, wer uns sonst kennt. Der Flug zum Galapagos Archipel wurde durch eine Zwischenlandung in Guayaquil unterbrochen. Weiterflug um 10.52 Uhr und Ankunft in Isla San Cristóbal auf Galapagos um 11.44 Uhr.

Wir planen immer noch nicht alles und so waren wir überrascht, dass die Verbindung zwischen den drei großen bewohnten Inseln nicht im Stundentakt vonstattengeht. Das letzte Boot von Isla San Cristóbal nach Isla Santa Cruz ging um 14.30 Uhr. Gebucht war ein Hotel auf Isla Isabella, nur zu erreichen über Isla Santa Cruz und von dort ging erst morgen früh um 7.00 Uhr das erste Boot.

Neu für uns war die Art der Schiffsverbindung zwischen den Inseln. Sehr spartanisch ausgestattete Boote in Yachtform mit Außenborder, die sage und schreibe bis zu tausend PS hatten, bringen maximal dreißig Besucher pro Boot in zweieinhalb Stunden von Insel zu Insel. Da geht es schon mal mit fünfzig Kilometern pro Stunde über und durch die Wellen des Pazifiks.

Tipp: Menschen, die seekrank werden, sollten sich dringend mit Medikamenten versorgen. Ein Eingewöhnen vor der Reise, für Kölner beispielsweise das Benutzen des „Müllemer Böötche”, könnte ratsam sein. Rita hatte bereits vor dem Flug vorgesorgt und so war vorbereitet.

Zweieinhalb Stunden später, etwas durchgerüttelt, standen wir im Hafen von Santa Cruz. Seit vierzehn Stunden ohne Schlafplatz unterwegs war der Enthusiasmus der Müdigkeit gewichen. Bekamen noch ein Zimmer in Hafennähe und so stand der Weiterreise am nächsten Tag nichts mehr im Wege.

30. April 2019.

Mit fast baugleichem Boot wie gestern fuhren wir um 7.00 Uhr zur Isla Isabella. Rita hatte vergessen, ihre Medikamente einzunehmen und bei weitaus stärkerem Seegang als tags zuvor fühlte die sich auf hoher See mehr als schlecht. Das Erreichen von Puerto Villamil nach zweieinhalb Stunden war für sie eine Erlösung. Das nette Appartement-Hotel Vulcano erwartete uns und der Rest des Tages galt der Regeneration.

Hier ein paar Informationen, bevor wir mit der Erkundung eines kleinen Teils des Galapagos-Archipels loslegten. Es gibt nicht viele Plätze auf unserem Planeten, die einem so deutlich veranschaulichen, wie unsere Erde einst entstanden sein muss. Auch Yellowstone war so ein Ort. Drei kollidierende Kontinentalplatten haben hier in der Bruchzone durch austretendes Magma die Galapagos-Inseln entstehen lassen. Bis heute kann man auf der Isla Isabella, welche über dem Hotspot liegt, an den aktiven Vulkanen einiges mitverfolgen, was zur Entstehung des Archipel führte. Durch die Abgeschiedenheit – kürzeste Entfernung zum Festland beträgt etwa tausend Kilometer – entstand eine Flora und Fauna, die endemisch ist, was soviel bedeutet, dass es sich nur hier entwickeln konnte ohne Einfluss von Außen. Der junge englischer Wissenschaftler Charles Darwin besuchte die Inseln im Jahre 1835 und stellte danach mit seiner darwinistischen Evolutionstheorie die biblische Schöpfung stark infrage.

Einige Tierarten, die nur hier vorkommen oder mindestens Verhalten zeigen, wie sonst nirgendwo auf unserem Planeten.

Einige Beispiele. Vogelarten: Galapagos-Albatros, Galapagos-Pinguine, Maskentölpel, Prachtfregattvogel, Rotfußtölpel und Blaufußtölpel, hier Boobies genannt. Reptilien: Galapagos-Riesenschildkröten, die von Insel zu Insel unterschiedlich sind, Grüne Meeresschildkröte, Meerechsen, von uns schwarze Drachen genannt und Landleguane. Säugetiere: Seelöwen, Seerobben und Pelzrobben. Wir hatten das Glück, einige zu sehen. Es gäbe noch mehr festzuhalten und manche Dinge unterscheiden sich nochmals von Insel zu Insel, aber für uns soll es als Anstoß-Information reichen.

1. Mai 2019.

Isla Isabella ist die größte Insel, jedoch mit 3000 Einwohnern die mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Die Insel entstand durch Zusammenwachsen mehrerer Vulkane. Man sagte uns, das die Isla Isabella die ursprünglichste unter den Inseln ist. Trotzdem ist Puerto Villamil vollkommen auf Tourismus eingestellt. Ein Tour- und Adventureladen reiht sich an den Nächsten. Trotz Allem bleibt alles übersichtlich und der Ort konnte sich seinen dörflichen Charakter erhalten.

2. Mai 2019.

Ritas Geburtstag. Nach gutem Frühstück liehen wir uns Fahrräder. Zwei Wege führen aus dem Ort. Einer an der Küste entlang und einer ins Landesinnere. Beide enden nach einiger Zeit. Der ins Landesinnere nach achtzehn Kilometern und der an der Küste entlang nach sechs Kilometern. Bei Äquator bedingtem heißen Wetter nahmen wir den an der Küste. Viele andere Orte, die offiziell besucht werden können, erreicht man nur per Boot. Strand, Mangrovenwälder und außergewöhnlich unterschiedliche Vegetation sollten uns auf der kleinen Radtour begleiten.

Schon nach zehn Minuten trafen wir auf die schwarzen Meerechsen, die sich auf Galapagos zu Schwimmern entwickelt haben. Als Vegetarier ernähren sie sich von Algen und anderen Seegräsern. Bis zu einer Stunde können sie sich im Meer aufhalten, bevor, unterstützt durch ihre schwarze Haut, ein Aufwärmen in der Sonne an Land ansteht. Immer mehr Echsen kommen aus dem Meer und umgekehrt aus den Mangroven. Auf dem Rad gerade Platz genommen, kreuzen die ersten Riesenschildkröten unseren Weg. Langsam, wahrscheinlich werden sie deswegen bis zu zweihundert Jahre alt, bewegen sie sich aus dem Gestrüpp heraus. Es sieht schon sehr stressfrei aus. Urzeitlichkeit vermittelt der Anblick dieser Reptilien. Ihre Köpfe wurden bestimmt als Vorlage für E.T., den Außerirdischen, genommen.

Am Ende des Weges angekommen, erwartete uns die Mauer der Tränen, eine einhundertfünfzig Meter lange und zehn Meter dicke Mauer, die Sträflinge der Strafkolonie Porvenir in den vierziger Jahren errichten mussten. Erinnerte mich etwas an Papillon und die Strafkolonie in Französisch Guayana. Mit den Fahrrädern wieder zurück im Ort waren wir noch voll von den Bildern des Tages. Abends gingen wir essen mit außergewöhnlichen Menschen. Heike und Toshi aus Heidelberg mit Legin, einem Schotten, der seit einiger Zeit ihr Mitreisender war. Das Außergewöhnliche ist, dass die Beiden aus Heidelberg mit einem BMW-Gespann die Panamericana fahren. Hintergrund ist die körperliche Einschränkung von Heike, die außerhalb des Beiwagens auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Was für eine Leistung.

3. Mai 2019.

Wir hatten vier bis fünf Stunden gebucht, per Boot westwärts die Küste entlang nach Los Tuneles. Nach dreißigminütiger strammer Bootsfahrt erreichten wir die Lagune, die sich aus Lavaströmen der Vulkane gebildet hat. Die Lagune beeindruckte schon sehr mit ihren Lavaformationen, auf denen wir erstmals die Blaufußtölpel sahen. Kleine Pinguine, die am nördlichsten lebenden Exemplare dieser Gattung, lösten besonders bei den weiblichen Tourteilnehmern Begeisterung aus.

Von diesem ersten Halt aus ging es zu einer anderen Lagune und nach einer kurzen Schnorcheleinführung auch schon über Bord. Der über einstündige Schnorchelgang ließ keine Erwartungen offen. Schwimmen mit Meeresschildkröten, unzähligen bunten Fischschwärmen und als Schnorchelhöhepunkt eine Begegnung mit ein bis anderthalb Meter langen Riffhaien. Für Menschen ungefährlich, brachten sie sich beim Anblick von zehn Schnorchlern lieber selbst schnell in Sicherheit.

Nach Rückkehr zum Hafen verbrachten wir den Rest des Tages im Hotel, hatten Wellen, Sonne und Schnorcheln doch müde gemacht.

4. Mai 2019.

Der gestrige Bootsausflug und die Seekrankheit, die Rita immer ereilte, bestätigte unsere Entscheidung zur Buchung eines Inselfluges am 6. Mai 2019 zum neuen Abflughafen der Insel Baltra. Für ein paar Stunden mieteten wir uns Fahrräder. Die Neugierde trieb uns zum Flugplatz von Puerto Villamil. Nach Besuch des nicht ganz fertiggestellten Flugplatzes und Flughafengebäudes musste ich Rita beruhigen. Meine Worte: „Da steht ein Lear-Jet, es gibt eine Start- und Landebahn und man sieht eine Windhose. Bei dem wenigen Flugverkehr reicht das völlig aus. Du wirst schon sehen, alles wird gut.

Auf dem Rückweg statten wir dem Hafen noch einen Besuch ab. Lohnte sich. Robben, Pinguine, Mantarochen und Meerechsen erfreuten Ankommende und Abreisende gleichermaßen.

5. Mai 2019.

Zuerst wurde gepackt und dann ging es an den Strand, um das letzte Mal Teile der Natur und Tierwelt von Galapagos mit allen Sinnen aufzunehmen.

29. April - 5. Mai 2019 · Puerto Villamil · Galapagos · Ecuador