NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Ushuaia
Tierra del Fuego
Argentinien

16. September 2019.

Der große Augenblick. Starterschlüssel, Choke gezogen und der Anlasser wurde betätigt. Zuerst lief sie unrund, bis nach einiger Zeit das unverwechselbare Boxermotorengeräusch einer BMW den Sound übernahm. Wetter hin oder her, der Start war geglückt. Mit allem an Ausrüstung für den Mopedfahrer, das Wärme versprach, rollte die BMW R 80 GS gefolgt von Büdchen auf der Ruta 257-CH der chilenisch/argentinischen Grenze entgegen.

Wir durchfuhren Feuerland waagerecht, überquerten die Grenze bei San Sebastian und landeten automatisch auf der Ruta Nacional 3 am Atlantik, den wir zuletzt in Nova Scotia vor fast vierzehn Monaten gesehen hatten, da ja die Reisestationen Chetumal in Mexiko, Hopkins in Belize, Colón in Panama und Cartagena in Kolumbien zum Karibischen Meer zu zählen sind. Von hier aus fuhren wir Richtung Süden durch Steppenland, dass uns außer Schafzucht und einigen wilden Guanako-Herden zeigte, das Gas- und Ölförderungen zunehmend auf das Landschaftsbild Einfluß nahmen. Die Anden, die den südamerikanischen Kontinent an seiner Westseite wie ein Rückgrat zu stabilisieren scheinen, laufen im übertragenen Sinne im äußersten Südwesten als Steißbein aus und verlieren sich in einer Schären- und Inselwelt, die von Menschen noch nicht betretene Flecken aufweisen soll. Das Tor zu diesem Teil des südamerikanischen Kontinents war mit dem Überschreiten des Paso Garibaldi aufgestoßen. Ushuaia, die südlichste Hafenstadt der Welt, wurde nach heute gefahrenen 364 Kilometern im Schneeregen erreicht. Es war erlebt und vollbracht! Hostal Selknam gewährte Unterkunft.

Von Prudhoe Bay in Alaska bis Ushuaia in Feuerland.

Panamericana halt.

  • Rita mit Büdchen und ich, so oft es möglich war, auf der alten BMW R 80 GS.

17. September 2019.

Das am Beagle-Kanal gelegene Ushuaia wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Missionsposten durch die Briten gegründet und schon bald durch argentinische Streitkräfte erobert. Unsere chilenischen Hostal-Betreiber waren vor fast dreißig Jahren nach Ushuaia gekommen und erzählten, dass es damals ca. 4000 Einwohner gegeben hätte. Heute leben und arbeiten ca. 65.000 Menschen in der Stadt. Tendenz steigend. Die Lage der Stadt ist prädestiniert für Kreuzfahrtschiffe und Touren in die Antarktis, Outdoor-Tourismus und Wintersportmöglichkeiten komplettieren das Angebot.

18. September 2019.

Es ging in den „Parque Nacional Tierra del Fuego“. Für Viele fängt an der Bucht „Bahia la Pataia“ das Abenteuer Panamericana an. Für uns endete es hier, außer der noch zu bewältigenden 3.079 Kilometer langen Fahrt auf der Ruta 3 nach Buenos Aires. Die Aussage auf dem dazugehörigen Schild zur Entfernung von hier nach Alaska ließ uns nur lächeln (17.848 Kilometer), hatten wir auf dieser Strecke doch das Dreifache an Kilometern zurückgelegt. Dass es nur Fotos als Einzelperson vor dem so besonderen Schild von uns gibt, liegt an einem Pärchen, dass wohl alles an unserer Kamera gedrückt hat, nur nicht den Auslöser.

Bei einem Spaziergang tauchten wir nochmal mit allen Sinnen in die Naturschönheiten des südlichen Patagoniens ein. Schöne Naturaufnahmen waren der Lohn und zeigten, dass sich der Winter auf dem Rückzug befand. Am Freitag sollte der Rückweg angetreten werden. Wettervorhersage: Kalt und windig. Windig auf der Ruta 3 bedeutet, es weht mehr als ein laues Lüftchen. Panamericana gefahren und so entschieden wir uns, die alte BMW zu verladen und sie vorerst nicht mehr zu strapazieren.

19. September 2019.

Zuerst wurde das Vorhaben umgesetzt, die alte BMW auf Büdchen zu laden. Im Anschluss streunte ich mit der Kamera durch die Straßen von Ushuaia, um festzuhalten, dass trotz grandioser Natur auch hier das Paradies weit entfernt sein kann.

Nord-Süd-Fahrt Beipackzettel zur Reise

1 Jahr, 4 Monate und 19 Tage unterwegs auf der Panamericana

Alaska - Feuerland. Es ist vollbracht. Am Montag, dem 16. September 2019, erreichten wir Ushuaia in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego, die südlichste Stadt der Erde. Unsere Hotelbesitzer, die vor etwa dreißig Jahren von Chile nach hier zogen, erzählten, dass bei ihrer Ankunft um die 5.000 Menschen an dieser Bucht des Beagle-Kanals lebten. Heute, dreißig Jahre später, sind es ungefähr 65.000 Einwohner – Tendenz steigend. Dieser Umstand hat uns zu folgender Metapher bewogen: Unser Planet – ein Fußballplatz. Feststehende Vorgaben: Feldgröße maximal 120 Meter × 90 Meter. Anzahl der Spieler begrenzt auf 22 Akteure. Nehmen wir diese Vorgaben und setzen sie ins Verhältnis zu unserem Planeten, so stellt sich schnell die Frage: „Wie viele Spieler können noch auflaufen, bevor das Spiel zum Erliegen kommt?”. Alle erdenklichen Maßnahmen, die Erderwärmung zu stoppen, sind richtig und lobenswert. Doch werden sie das Ziel weit verfehlen, sollte die Erdbevölkerung weiter wachsen. Unser Spielfeld – die Erde – lässt uns nur weiterspielen bei relativ konstanter Anzahl von Spielern, denn es soll ja für jeden Spieler vom Anpfiff bis zum Abpfiff eine schöne Zeit werden.

16. bis 19. September 2019 · Ushuaia · Argentinien