NORDSÜDFAHRT Panamericana Amerika-Tour 2018 & 2019

NORDSÜDFAHRT

Panamericana
2018 & 2019

Panamericana. Die Tour mit einem VW-Bus und einem alten Motorrad vom Typ BMW GS von Alaska bis nach Feuerland ist ein Traum, der während meines Erwachsenwerdens entstanden ist.

Der holprige Start. Die Zeit nach der Grundschule, dokumentiert durch fünf sich aneinander reihende Schulen, ließ mich früh nach Weite und Halt suchen. Die Weite gefunden habe ich Mitte der siebziger Jahre durch den Kauf eines Interrail-Tickets, was für die damalige Jugend die ultimative Befriedigung von Fernweh war. Im Klartext: Für einunddreißig Tage mit der Bahn in zwanzig europäische Länder für 235,- Deutsche Mark unter der Voraussetzung, das man unter 21 Jahre alt war. Für mich bedeutete das, einmal nach Norden/Nordkap und einmal nach Süden/Kreta.

Halt suchen. Bedeutete für mich, Lebensgeschichten anderer vor mir existierender Erdenbürger zu studieren. Über Che Guevara, Jerome David Salinger, John Steinbeck, Heinrich Böll und andere Heroen der Zeit wurde alles gelesen und sich informiert, jedoch einer gab mir immer wieder Kraft: Henri Charrière, der von der französischen Justiz zu Unrecht lebenslang ins Bagno nach Französisch-Guayana verbannt wurde. Das aus dreizehn Schulheften bestehende Erbe von Henri Charrière wurde als Buch und Film unter dem Titel „Papillon“ zum Welterfolg. Halt suchen meint auch, das ich bis heute dieses Werk mindestens zehnmal gelesen habe. Zum Teil in den unterschiedlichsten Lebenssituationen und es hat immer ausgelöst: „Wenn nichts mehr geht, dann geht irgend etwas immer noch“, soll heißen: „Steh immer einmal mehr auf, als du hingefallen bist“. Ein bisschen Kölner Mentalität ist auch da bestimmt hilfreich.

Das Leben. Mit dem Alter von zwanzig Jahren wanderten dann die Träume ins Schließfach. Daher lassen wir die Zeitspanne zwischen dem zwanzigsten und dem sechzigsten Lebensjahr mal unberücksichtigt. Ist nur etwas für Hardcore-Psychiater und Psychologen. Vielleicht gibt es mal die eine oder andere Anekdote „by the way on the road”.

Die Protagonisten. Meine Frau Rita und ich sind bald zwanzig Jahre zusammen, sogar verheiratet und die Zeit läuft. Zusammen sind wir einhundertzehn Jahre alt – Generation, verrate das Alter einer Frau nie – und wir haben uns entschlossen, meinen Jugendtraum jetzt zusammen zu erleben und umzusetzen.

Unsere Website. Selbst haben wir keine Ahnung, soll und wird von meinem alten Klassenkameraden Heinz Massloch, den ich im vorletzten Jahr nach über vierzig Jahren auf einem Klassentreffen wieder sah, eingerichtet und gepflegt. Als Name für die Seite wählten wir „Nordsüdfahrt“, eine Straßenverbindung in unserer Heimatstadt Köln, die seit Ihrem Bestehen immer für Diskussionsstoff sorgte und auch heute noch sorgt. Ja, sie verbindet zwar Nord mit Süd, trennt aber auch gleichzeitig. Trennen soll unsere Reise niemanden und positiv gesehen, nur weil es Straßenverbindungen gibt, die trennen, gibt es auch Brücken, die verbinden, wie man weiß.

Das Logo. Genug der Taschenbuch-Philosophie; ein paar Worte noch zu unserem Logo. Rund, in der Mitte befindet sich ein Schmetterling als Anlehnung an Henri Charrière „Papillon“, ein Flügel des Schmetterlings als Hommage an unsere Vaterstadt Köln mit dem Stadtwappen und der andere Flügel zeigt den amerikanischen Kontinent, „un dat wor et ald”.

Update by the way on the road

Nachtgedanken. Dinge, die einen zu Hause beschäftigen, beschäftigen einen auch unterwegs. Physische und psychische Gemengelagen treffen einen auch fern der Heimat. Wer weglaufen will, dem sei gesagt, das klappt in den wenigsten Fällen und ab einem bestimmten Alter ist der Rucksack, den jeder mit sich trägt, voller als mit Zwanzig. Mittlerweile glaube ich, nur die Farbe des Rucksacks lässt sich frei wählen, der Inhalt eher selten.

Bitte zweimal lesen. Wir haben über die Panamericana Zentralamerika durchfahren und soviel Armut gesehen, dass wir zufrieden sind. Man stelle sich nur mal vor, alle Menschen würden so leben wie wir aus den Industrieländern. Unsere Mutter Erde – Pacha mama – (Für die Gender-Debatte: Habe leider keine Vater Erde – Pacha papa – gefunden) hätte schon längst kapituliert.

Wenn man den Durchblick hat, muss das nicht immer gut sein. Felder besprühende Landarbeiter in Caraz/Peru haben mich zu dieser Aussage veranlasst. Im Frühling oder Sommer vor über dreißig Jahren konnte man durch das Visier eines Motorradhelms kaum mehr durchsehen, hatte man die Strecke Köln - Nürburgring, etwa achtzig Kilometer, gefahren. Heute fährt man die Strecke hin und zurück und es verlieren sich ein paar Insekten auf dem Visier. Wir befahren seit über einem Jahr den amerikanischen Kontinent, zurzeit in Peru, und ein Entfernen von Insekten sowohl auf der Windschutzscheibe von Büdchen als auch auf meinem Visier ist fast nicht nötig. Ich als Motorradfahrer könnte den Zustand ja begrüßen – weniger Arbeit – glaube aber für die meisten Motorradfahrer sprechen zu können: „Tote Insekten auf dem Visier bedeuten ja, das es sie noch gibt. Lieber öfter Visier reinigen und die Insekten bleiben erhalten – Anfang der Nahrungskette – als das wir irgendwann selbst vom Planeten verschwinden.” Irreführende Bezeichnungen helfen da auch nicht, den Einsatz von Pestiziden zu rechtfertigen. Pflanzenschutzmittel, Schädlingsbekämpfungsmittel und dergleichen. Weiterhin viel Durchblick, auch wenn wieder das Visier gereinigt werden müsste.