NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Haines
Alaska
USA

15. August 2018. Wir hatten uns entschieden, den Haines Highway von Haines Junction nach Haines zu nehmen und der „Golden-Circle-Route” Haines Junction / Haines - Fähre - Skagway / Whitehorse zu folgen. Rechts der Strecke sahen wir den Kluane Nationalpark und links begleiteten Seen unseren Weg, bis nach gut der Hälfte der Strecke der Highway sich auf ein Hochplateau kämpfte und uns wunderschöne Weitblicke in die Bergwelt eröffnete. Die Talfahrt nach Haines beinhaltete das Überschreiten der Grenze Kanada/USA. Rechts begleitete uns der Chickat Fjord bis Haines. Wir hatten Glück und bekamen an der Hafenbucht einen Stellplatz mit Sicht auf den Fjord und die Berge. Campground „Oceanside RV Park” mitten im Städtchen. Nicht weit von uns hatte die „Westerdam”, ein Kreuzfahrtschiff der Holland-America-Line, fest gemacht, deren Schwesterschiff „Amsterdam” uns schon in der Karibik begegnet war. Ausdrucksvoll ist der marineblaue Anstrich des Rumpfes.

In der Kölner Umgangssprache würde man nun sagen: „Et läuf”, wären da nicht die Temperaturen auf dem Hochplateau gewesen, die alles andere als hochsommerlich waren. So schwächelte der Motorradfahrer, der auch ohne solche Touren einmal im Jahr bronchial nachläßt. Er ist halt „fimmschisch” - nicht so widerstandsfähig.

16. August 2018. Rita verabreichte für die nächsten Tage Antibiotika – sollte jeder in der Reiseapotheke haben – was bedeutete, dass der Aufenthalt auf dem Campground bis zum 20. August verlängert wurde.

17. August 2018. Ab Haines, so würden wir sagen, begann die wunderbare Schärenlandschaft, die sich von Alaska bis Prince Rupert in British Columbia erstreckt und Teil des Alaska-Marine-Highways ist, den wir noch ein kurzes Stück per Fähre erleben sollten. Eine nette Dame, die wir als Besitzerin des Campgrounds vermuteten, versorgte den schwächelnden Mopedfahrer am zweiten Tag mit einer frisch gefangenen und gekochten Königskrabbe mit Salat. So ließ sich gesunden.

18. August 2018. Am dritten Tag, andere Camper erzählten von Grizzlys Richtung Chicoot River und Lake, hielt uns nichts mehr am Platz. Wir hatten noch keine Grizzlybären gesehen und waren sprachlos, als wir zuerst eine Bärin mit drei Cubs und wenig später noch eine weitere, weitaus größere Bärin mit zwei Cubs sahen, die nach einer Stunde die junge Bärin mit den drei Jungen vertrieb. Wahrlich überwältigende Bilder in etwa sechzig bis zweihundert Meter Entfernung. Als Amateurfotograf, meistens mit Automatikfunktionen und Bildvorgabeprogrammen arbeitend, kommst du schnell ans Ende deiner Möglichkeiten. Habe einfach versucht, die Szenerie so gut wie möglich festzuhalten.

19. August 2018. Am nächsten Tag sahen wir uns das Städtchen an. Fort Seward wurde 1903 als Militärbasis gegründet und erhielt seinen Namen von William H. Seward, welcher maßgeblich am Kauf Alaskas von Russland beteiligt war. Die American Bald Eagle Foundation, ebenfalls mit Sitz in Haines, ist der überaus großen Vielzahl der Weisskopfseeadler in diesem Teil Alaskas geschuldet. Wir sahen die ganzen Tage diese wunderschönen Greifvögel über uns kreisen.

Die unscharfen Grizzlybilder lagen mir noch immer schwer auf dem Magen und so fuhren Rita und ich abends nochmals zu der Stelle, wo wir die Bären so gut beobachtet hatten. Was folgte, ist eine außergewöhnliche Geschichte. Bären sahen wir an diesem Abend nicht mehr, aber wir trafen jemanden wieder. Plötzlich stand der nette Amerikaner, der uns geholfen hatte, kurz vor Chicken die BMW auf den Gepäckträger zu schieben, mit Angelzeug und Hund neben uns. Immerhin sechshundert Kilometer entfernt von dort und zwei Wochen später. Wir freuten uns, ihn zu sehen und hatten eine nette Unterhaltung. Im Stress beim Verladen der BMW vor Wochen sind mir viele Sachen, die dort gesprochen wurden, entfallen. Jetzt fiel mir ein, er fragte uns, als er wusste, dass wir aus Deutschland und aus Köln kommen, ob wir Heinz Wewering kennen würden, einen der weltbesten Jockeys im Sulky, mit dem er so manches Rennen bestritten habe und mit dem er freundschaftlich verbunden sei. Wir unterhielten uns noch eine Zeit und er erzählte, das gestern ihm eine Bärin den Fang aus der Angeltasche geholt hatte. Die Tasche sah auch sehr mitgenommen aus. Bevor wir uns verabschiedeten, schrieb er uns noch seinen Namen auf. Ron Pierce – er sei auf Facebook. Machte ein Foto von uns und unserem Büdchen mitsamt Logo und verabschiedete sich zum Angeln. Abends nach Recherche im Internet – „Wer ist Ron Pierce?” – möchten wir festhalten, dass jemand mit einer Weltkarriere in zwei Begegnungen eine solch sympathische Zurückhaltung ausstrahlte, war und ist für uns etwas, das wir nicht so schnell vergessen werden.

20. August 2018. Bevor wir um 11.15 Uhr per Fähre nach Skagway aufbrachen, hier noch etwas zum Oceanside RV Park. Der schönste Platz, auf dem wir bisher gestanden haben. Bei schönem Wetter und Sonne kaum zu schlagen. Besitzerin sehr nett, mit Papagei „Kerry” wohl eine Seltenheit in Alaska.

15. bis 20. August 2018 · Haines · Alaska