NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Puerto Jiménez
Corcovado Nationalpark
Costa Rica

1. März 2019.

Wir folgten dem Inter-American Highway, der am Pazifik vorbei ohne Ankündigung in die Road 34 überging und im weiteren Verlauf zur Road Nr. 2 wurde. Wir hatten bereits vom Corcovado Nationalpark gelesen und gehört. Gegen Abend bogen wir auf die Road 245, die für Landfahrzeuge der einzige Zugang auf die Península de Osa ist. Der Corcovado Nationalpark ist Teil dieser Halbinsel.

La Palapa Hut Nature Hostel and Camping

in Puerto Jiménez wurde Basis für die nächsten Tage. Bis zum 7. März waren wir Gäste von Andrew, dem kanadischen Inhaber des Areals. Das Frühstück ist förderlich für jedwede Diät, die als Grundlage wenig essen vorsieht. Was diesen Platz auszeichnet, ist die Flora und Fauna. Wir sahen während des Aufenthaltes drei der vier in Costa Rica vorkommenden Affenarten, Leguane und die bunte Vogelvielfalt mit Aras, Tukane und Papageien. Am ersten Tag fuhren wir zu einem wunderschönen Strandabschnitt in etwa sieben Kilometer Entfernung.

2. März 2019.

Andrew schlug uns am zweiten Tag eine Tour vor, die gemeinsam mit ihm in einen benachbarten Forst gehen sollte. Wir lehnten ab, sollten wir noch bereuen. Tour von Andrew wäre bezahlbar und, wie wir hörten, eine runde Sache.

3. März 2019.

Nein. Wir oder besser gesagt ich, wollte in den überall als einmalig beschriebenen Corcovado Nationalpark. Dem Park wurde vor einiger Zeit ein Besucherlimit auferlegt und ist nur mit einem Guide zu betreten. Es gibt Tages-, Zwei-Tages- und mehrtägige Touren in den Park. Nun zu uns. Wir erkundigten uns im Ort nach einer Zwei-Tages-Tour und waren über die Höhe des Preises mehr als erstaunt. Weiteres Nachfragen bei anderen Touranbietern brachte kein besseres Ergebnis und nach langem Überlegen sagten wir trotzdem bei einem Local Guide zu. Es reizte uns, einen Park zu betreten, der bis 1960 von Menschen noch unberührt war. Zwei Tage sollten es werden mit Übernachtung in der Ranger Station La Sirena.

Wir wollen nicht zu kritisch sein,

aber das Erlebte war folgendermaßen. Am Morgen des 4. März 2019 stand um 6.00 Uhr unser Guide auf dem Campground. Anfang Dreißig, ein Spektiv auf der Schulter und begrüßte uns. Unsere Rucksäcke waren ähnlich gepackt wie bei der Tour auf den Acatenango. Unterschied: warme Sachen fehlten, befinden wir uns doch seit dem Verlassen des Hochlandes in Guatemala in den Tropen. Erste Frage an unseren Guide: „Wie kommen wir denn zum Corcovado Nationalpark?”, Antwort: „Mein Bruder sagte mir, ihr hättet einen Allradbus. Da fahre ich mit euch”. Rita und ich sahen uns an. Da wir bereits angezahlt hatten, konnten wir die Tour nicht canceln. Also schafften wir Platz im Büdchen und es ging los. Wir standen nach etwa dreißig Kilometern am Strand vom Carate, nachdem wir zwei kleinere Flussdurchfahrten gemeistert hatten. Gegen Zahlung von zehn US-Dollars stellten wir dort unser Büdchen ab. Recht war uns das nicht. 8.30 Uhr und es ging mit Rucksack und Kamera in den Park. Bei aufkommender Schwüle und Temperaturanstieg wurde uns schnell bewusst, ein Spaziergang werden die 24 Kilometer nicht. Die Temperatur ist das eine, die Luftfeuchtigkeit ist jedoch der Umstand, der dich mürbe macht. Wir liefen parallel zum Pazifik im Grün des Regenwaldes brav hinter unserem Guide her.

Wir fassen zusammen.

Gesehen haben wir alle vier in Costa Rica beheimateten Affenarten. Brüllaffe, Klammeraffe, Kapuzineräffchen und Totenkopfäffchen. Kurz vor Erreichen des Camps sahen wir einen Nasenbären und das für uns herausragendste Tier im Park, einen Tapir. Viel zu trinken und zu essen ist das Wichtigste in den Tropen, was wir auch taten. Nach ca. vier Stunden machten wir unsere erste Rast am Pazifikstrand. Sieht toll aus, ist auch toll. Aber bitte nicht vergessen, Sonne und Luftfeuchtigkeit lässt bei Mitteleuropäern nicht das Lächeln an einem Badetag auf Mallorca im Gesicht erscheinen.

Bevor wir am Strand

unser Highlight sahen, den Tapir, noch folgende Randnotiz. Auf unserem Weg zum Camp trafen wir auf ein deutsches Pärchen, Mitte Dreißig vielleicht, wo sie völlig dehydriert auf dem Boden saß und sich übergab. Sie waren ebenfalls mit einem Guide unterwegs. Wir erreichten gegen 16.30 Uhr das Camp La Sirena und waren heilfroh, angekommen zu sein. Der große offene Saal mit Hochbetten und Moskitonetzen wurde bereits von anderen Gruppen bezogen und so beeilten wir uns, die uns zugewiesenen Betten zu finden. Jugendherberge ist der richtige Begriff. Nicht, dass dies für uns zu einfach gewesen wäre, nein, nur das mit dem Preis-Leistungsverhältnis stimmte hinten und vorne nicht. Bei Nachfrage nach einem Bier bekam ich die Antwort: „Kein Alkohol im Camp” und damit mir auch klar war, wie hier alles zu laufen hat, gab es noch den Hinweis: „Und geraucht wird auch nicht”. Die Essensausgabe ging in Gruppen von zehn Personen vonstatten. All dies hätte mich nicht gestört, wäre da nicht die Antwort auf mein Nachfragen nach der jungen Frau gewesen. Eintreffende Wanderer sagten uns, dass die vollkommen erschöpfte Frau nur langsam vorankommt und es bis zum Fluss noch schaffen muss, damit man sie mit einem kleinen Traktor vom Camp aus abholen könne. Es gibt im Camp weder medizinische Betreuung noch einen Plan, wie verletzte oder erkrankte Personen schnell abtransportiert werden könnten. Uns wurde schlagartig klar, wir sind in Zentralamerika und nicht auf einer Hüttentour in den Alpen. Nach dem Abendessen entschieden Rita und ich, nicht am nächsten Morgen früh um 5.30 Uhr mit unserem Guide den Rückweg über die gleiche Strecke anzutreten, sondern das Versorgungsboot um 10.30 Uhr zu nehmen, mit dem auch die junge Frau nach Puerto Jiménez zurücktransportiert werden sollte. Problem war Büdchen. Wir mussten unserem Guide insofern vertrauen, den Schlüssel vom Büdchen mitzugeben, um zurück nach Puerto Jiménez fahren zu können. Um 14.00 Uhr hatten wir im Hafen von Puerto Jiménez unser Büdchen wieder.

Resümee.

Wären wir auf unserem Campground geblieben, hätten wir außer dem Tapir alles sehen können und mehr. 390 US-Dollars und nochmals 60 US-Dollars für das Mitnehmen im Versorgungsboot ist Abzocke vom Feinsten. Corcovado hin oder her, sollte sich einer von den Beteiligten an der Tour jemals im „Nationalpark Eifel” sehen lassen, bei Schnee und mindestens -10° Celsius und wir bekämen Wind davon, werden wir uns revanchieren.

6. März 2019.

Der nächste Tag war der eigenen Pflege vorbehalten plus ausruhen. Nachmittags entdeckte ich ein paar Zecken an den Beinen und es ging zum Arzt im Ort. Eine sehr freundliche Ärztin entfernte die Zecken und während wir uns unterhielten erzählte sie, dass sie voriges Jahr mit ihrem Mann in Köln zufällig zum Karneval gewesen wäre und dieses in ihrem Leben nicht mehr vergessen würde. Wie auch! Wie man sieht, geht es auch anders im Umgang miteinander.

1.-6. März 2019 · Puerto Jiménez · Costa Rica