NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Puerto Montt
Chile

4. August 2019.

Regen und Nebel bescherte uns schlechte Sicht bei Abfahrt aus Valdivia. Zurück auf der Ruta 5 – der Panamericana – ging es mit einigen Unterbrechungen, ausgelöst durch Aufwärmenpausen des Mopedfahrers im Büdchen, direkt nach Puerto Montt. Hier gönnten wir uns, wie bereits in Antofagasta, einen Aufenthalt im Holiday Inn Express mit Blick auf Bucht und Meer. Keine Luxushotels, doch für Reisende, die oft in Hostels der Kategorie „nur reingeregnet hat es nicht“ übernachtet hatten, schon Luxus.

4. bis 6. August 2019.

Unsere Bettstatt Puerto Montt hat viel Ähnlichkeit mit Antofagasta, beide liegen am Pazifik, sind also Hafenstädte. Hier wird nicht dem „Schöngeist” gehuldigt, sondern Handel betrieben. Viele Einwanderer aus dem deutschsprachigen Teil Europas fanden in Puerto Montt und Umgebung eine neue Heimat. Schnelles Wachstum, dokumentiert durch die unkonventionelle Bebauung, geben der Stadt leider kein schlüssiges Gesamtbild. Jeder baut was und wo er will. Schrebergarten neben Wolkenkratzer. Alles in allem sind beide Städte nicht der große Hingucker. Wetter spielte auch nicht mit und so war das Hotelzimmer mit tollem Blick aufs Meer eine gute Alternative zur Stadterkundung.

Info zur Deutschen Einwanderung nach Chile. Nach der Unabhängigkeit von Spanien war ein eigenes Handeln für viele Regionen in Chile erst möglich geworden. Erlangung der Unabhängigkeit 1818. Man wollte nicht gleich wieder von fremden Staaten annektiert werden, daher förderten die in Chile Regierenden eine kontrollierte Einwanderung, die sicherstellte, dass auch abgelegenste Gebiete erschlossen wurden. Meist Deutschsprachige nahmen das Angebot an und besiedelten den sogenannten „Kleinen Süden“. Im Prinzip das Gebiet zwischen Valdivia und Puerto Montt, mit Orten wie Osorno und Puerto Varas am Lago Llanquihue. In späteren Jahren zog es die Einwanderer in die Seenlandschaft der „Chilenischen Schweiz“. Weitere Einwanderungswellen aus dem deutschsprachigen Raum gab es 1933 bei Machtübernahme der NSDAP. Viele Juden flohen damals nach Chile. Nach Kriegsende im Jahr 1945 folgten ihnen Nationalsozialisten auf der Flucht. Welche Ironie!

Einwanderer, die im „Kleinen Süden“ keinen Platz mehr fanden, verschlug es auf die Insel Chiloé und weiter aufs Festland nach Süden, dem heutigen Nordpatagonien. Infolgedessen die Ureinwohner, wie Araucaner und Mapuche, immer weiter zurückgedrängt wurden.

Während des Aufenthaltes in Puerto Montt verhinderte schlechtes Wetter einen Ausflug zum Lago Llanquihue, wo der wohl beeindruckendste Vulkan Chiles – der Volcano Osorno –, der oft mit dem Fuji in Japan verglichen wird, einen Besuch verdient gehabt hätte. Zum Glück haben wir ja bei guter Sicht den Volcano Villarrica in voller Pracht erleben dürfen.

4. bis 6. August 2019 · Puerto Montt · Chile