NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Tikal
Guatemala

6. Februar 2019. Pünktlich ausgecheckt. Von Hopkins ging es durch mittelgebirgsartige Topografie, natürlich mit anderer Vegetation, nach Belmopan, der Hauptstadt von Belize. Über San Ignacio erreichten wir die Grenze Belize / Guatemala. Die Menschen werden wieder indigener und mayastämmig. Sprache, Essen, Musik und dergleichen waren wieder lateinamerikanisch, wie wir es bereits aus Mexiko kannten. Bevor wir guatemaltekischen Boden betreten sollten, zuerst der Zoll in Belize. Vor dem Zollgebäude griffen uns die Geldwechsler direkt an und auf. Wir benötigten die Währung Quetzal, das guatemaltekische Zahlungsmittel, benannt nach dem Wappentier des Landes, das wir noch hoffen, in Zentralamerika zu Gesicht zu bekommen.

Jetzt zum Zoll. Nach einigem Papierkram und Zahlungen war es fast geschafft. Fast! Der letzte Zollbeamte vor dem guatemaltekischen Zoll wollte noch überwunden werden. Zollbeamter, Typ Mike Tyson untrainiert (US-Schwergewichtsprofi-Weltmeister von 1986) sah sich die Papiere an und verlangte dann die Quittungen der geleisteten Zahlungen. Als wir diese nicht auf Anhieb fanden, wurde er mürrisch. Wir fanden sie schließlich doch und hätten eigentlich passieren können, wäre da nicht mein Spieler-Gen hochgekommen. Man muss hierzu wissen, das wir die Flagge jedes durchfahrenen Landes an der rechten Sonnenblende des Büdchens befestigen. Aus Zeitgründen und mangels Möglichkeiten hatten wir keine Flagge von Belize bis dato erstanden. Vor unserem Mike Tyson stand in einem Holzklotz die Fahne von Belize und ich ging es an. Ich sagte: „Wir sind so von Ihrem Land begeistert, haben es aber leider versäumt, eine Fahne Ihres Landes während des Aufenthaltes zu kaufen” und ob er mir hier seine verkaufen würde. Ich wartete seine Reaktion gar nicht erst ab und kramte die letzten zwanzig Belize-Dollar aus meiner Hosentasche hervor und legte sie ihm auf den Schalter. Was nun passierte, kannten wir aus Unterhaltungsfilmen der fünfziger und sechziger Jahre. Er schob mir seine Landesfahne zu, steckte sich die zwanzig Belize-Dollar ein und wir passierten. Im Film würde jetzt bei ihm eine Schublade aufgehen und eine neue Fahne würde seinen Schalter zieren. Wer weiß.

Guatemala Zoll. Bevor wir uns in die Mühlen des Grenzübertrittes stürzten, bot sich ein junger Mann an, uns bei allen nötigen Formalitäten zu begleiten. Dankend nahmen wir an und erledigten im Anblick schwerbewaffneter Militärs alle Stationen, die vonnöten waren. Herausheben möchten wir die äußere Desinfektion von Büdchen und BMW. Für Büdchen glich die einer Waschstraßendurchfahrt. Was aber macht man mit einem Motorrad, auf dem jemand sitzt? Einfach. Der Jemand steigt ab und ein Zollbeamter kommt mit einem umgebauten Staubsauger. Es brummte, aber aus dem seitlich befestigten Tank wollte die Flüssigkeit nicht entweichen. So gab es eine trockene Desinfektion gegen Bezahlung. Alles gut, wir waren in Guatemala.

Auf der CA 13 fuhren wir über El Zapote bis El Remate, Abzweig zu einer der größten bekannten Maya-Stätten überhaupt. Tikal. In den Regenwäldern im nördlichen Guatemala ist Tikal eine der bedeutendsten Tempelanlagen. Die Hochphase erlebte Tikal vom dritten bis zum neunten Jahrhundert nach Christi Geburt. Tikal unterwarf im achten Jahrhundert Calakmul, heute auf der mexikanischen Seite im Dschungel und bereits von uns beschrieben. Wie man vermutet, ist erst ein kleiner Teil dieser beeindruckenden Tempelanlage der Mayas vom Dschungelgrün freigelegt worden. Ungeklärt sind bis heute Zeit und Umstände des genauen Niedergangs der Maya-Kultur kurz vor Erreichen des zehnten Jahrhunderts nach Christi. Alle von uns besuchen Maya-Stätten erlitten wohl das gleiche Schicksal. Nach Einfahrt in den Nationalpark über eine dreizehn Kilometer lange Straße erreichten wir Cabin und Campground Jaguar Inn. Sehr zu empfehlen, da die Tempelanlage fußläufig zu erreichen ist.

7. Februar 2019. Das Jaguar Inn verfügt über ein kleines Restaurant und bietet früh morgens um 4.00 Uhr eine Sonnenaufgangstour auf den Tempel Nummer IV. Wir nahmen diese Möglichkeit wahr und das sollte man auch. Der vierzigminütige Fußweg durch die Nacht bis auf den Tempel IV war kurzweilig, da um diese Zeit der Dschungel erwacht. Oben angekommen – man ist nicht alleine – bringt eine gewisse Gruppendisziplin nach kurzer Zeit die gewünschte Ruhe und alle lauschten den Lauten der Brüllaffen und anderen Urwaldbewohnern, die sich bemerkbar machten. In der nächsten Stunde bekam man die verschiedenen Phasen des Sonnenaufgangs mit, welche die Szenerie immer in ein anderes Licht tauchte. Magisch. Wir erkundeten im Anschluss den freigelegten Teil der Tempelanlage und kehrten danach ins Jaguar Inn zurück.

Wir meinen, immer etwas Tolles zu tun – ist ja auch so – nur manchmal trifft man auf Zeitgenossen wie Detlef, 66 Jahre alt, „Krefelder Jung” und vor Jahren nach Perth in Australien ausgewandert. Er befährt mit seinem Fahrrad die Panamericana von Süd nach Nord und hat schon über 100.000 Kilometer im Sattel auf unserer Erde zurückgelegt. Chapeau.

Zwei Nächte verbrachten wir hier und machten uns am 8. Februar 2019 wieder auf die Socken. Ziel ist Cobán im Hochland Guatemalas.

6.-8. Februar 2019 · Tikal · Guatemala