NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Cartagena
Kolumbien

23. März 2019.

Zwei Maschinen der Boeing 737 MAX waren in letzter Zeit abgestürzt. Daraufhin gab es sogar ein Flugverbot in den Vereinigten Staaten, nur Panamas Copa Airlines nahm ihre Maschinen nicht aus dem Verkehr. Wir buchten vor diesem Hintergrund die kolumbianische Avianca Airline, die Airbus fliegen. Löste ein Umsteigen in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá aus, um letztendlich nach Cartagena zu gelangen. Unser kleines Highlight beim Umsteigen auf dem Airport El Dorado in Bogotá war ein zu Werbezwecken lackierter alter VW Bus der Firma Grupo Modelo, die das Bier Corona brauen. Wir stellten uns natürlich vor, wie viel besser der VW-Bus mit einer Kölsch-Werbung ausgesehen hätte. Mit Sicherheit. Abschließend zu Panama City sei gesagt, dass die großen Gegensätze die Stadt zwar interessant macht, aber nicht liebenswert. So erlebten wir es.

Wir landeten gut und sicher am späten Nachmittag in Cartagena und fuhren direkt per Taxi in unser Hostel House „El Claustro“ im historischen Distrikt von Cartagena. Das El Claustro ist für eine ehemalige Stadtklosteranlage ziemlich groß und bietet heute neben der Nutzung als Gasthaus Raum für Theateraufführungen, Kunstausstellungen und diversen Workshops. Hätte unsere Zeit gereicht, wäre der Besuch eines Spanisch-Sprachkurses möglich gewesen. Insgesamt ein guter Ort für das Kennenlernen von Cartagena. Abends bummelten wir durch die zum Weltkulturerbe gehörende Altstadt und bekamen die ersten Eindrücke. Gebäude, Plätze und Gassen aus der Kolonialzeit mit viel Geschichte waren sehenswert und verströmten karibisches Flair, wären da nicht die Massen an Besuchern gewesen, die natürlich das gleiche Recht auf Sehen haben wie wir. Die Stadt Cartagena liegt an der Karibikküste Kolumbiens.

Info. Kolumbien ist dreimal so groß wie Deutschland bei einer Einwohnerzahl von etwa fünfzig Millionen. Zurück zur Stadt. Die Stadt wurde von den Spaniern um 1533 gegründet und ist seit jeher einer der wichtigsten Handelsplätze Südamerikas. Mehrfach von Piraten attackiert , beschloss man den Bau einer Befestigungsanlage rund um die Stadt. Dieses gewaltige Projekt umzusetzen dauerte 200 Jahre und wurde zur größten Befestigungsanlage in Amerika. Um 1700, in der Blütezeit der spanischen Herrschaft, wurde fast alles an Ware zwischen Europa und dem südamerikanischen Subkontinent über Cartagena verschifft. Da die indigene Bevölkerung stark reduziert und zurückgedrängt worden war, benötigte man neue Arbeitskräfte, die man als Sklaven aus Schwarzafrika nach Südamerika brachte. In der Hochphase wurden so bis zu tausend Sklaven pro Tag auf den Plätzen Cartagenas verkauft und wie Ware gehandelt. Das ist der Grund, warum bis in unsere Zeit der Bevölkerungsanteil von Menschen mit afrikanischen Wurzeln an der kolumbianischen Karibikküste hoch ist.

24. März 2019.

Zwischenbemerkung. Bilder von hier, unter der Sonne der Karibik, sehen immer toll aus, verraten aber nicht Temperatur und Luftfeuchtigkeit die uns zusetzte. Der heutige Tag startete wie der gestrige Tag aufgehört hatte. Sightseeing im Altstadtbereich, ohne zu ahnen, was uns in den nächsten Tagen erwarten sollte.

25. März 2019.

Wir wollten Büdchen mit der alten BMW aus dem Hafen von Cartagena abholen. Dies löste folgende Geschichte aus. Es war Montag, der 25. März 2019. Mit einem Taxi zum Hafen. Die Agentur aus Panama hatte uns kurzfristig eine andere Agentur zur Abwicklung hier vor Ort genannt. Neu – Evergreen-Transport & Logistik. Auf der Fahrt wurden wir von unserem Taxifahrer aufgeklärt, leider erst als wir fast das ganze Hafengebiet durchfahren hatten, dass heute in Kolumbien ein Feiertag sei und keine Behörden oder Büros arbeiten würden. Also zurück ins Hostel. Positiv, wir hatten einiges außerhalb der Touristenpfade von Cartagena gesehen.

26. März 2019. Taxi zu Evergreen Transport und auf Anhieb Adresse gefunden. Nette Leute im Büro. Auskunft: „Ja, die Papiere für den Zoll bekommen sie hier, aber zuerst müssen sie bei der Bank unsere Gebühren bezahlen. Geht leider nicht bar.” Okay. Taxi zur Bank. Wegen des gestrigen Feiertages war es voll. Nummer ziehen und warten. Nach eineinhalb Stunden standen wir am Schalter. „Nein, US-Dollar nehmen wir nicht, wechseln kann man bei uns auch nicht, aber der ATM hängt draußen an der Wand.” Schlange vor dem ATM. Endlich an der Reihe und kolumbianische Pesos gezogen. Zurück zum Bankschalter und Gebühren für Evergreen-Transport eingezahlt. Taxi zurück zu Evergreen-Transport. Papiere erhalten. Geht doch.

Zum Verständnis, uns ist der Unterschied zwischen Zoll/Aduana und der Behörde DIAN nicht klar geworden, deswegen war es für uns beides Zoll. Keine Zeit verlieren. Taxi und ab zur Zollbehörde DIAN. Dokumente aus Panama vorgelegt. Wir hatten ein Dokument für Büdchen und die alte BMW G/S wurde mit erwähnt. Sie kennen bereits die Geschichte mit zwei Fahrzeugen und einem Halter. Beamter: „So geht das nicht. Sie können keine zwei Fahrzeuge mit einem Dokument…” Ich widersprach: „Die haben aus Platzgründen alles auf ein Dokument geschrieben.“ Beamter: „Okay, aber Motorrad in Kolumbien nur auf dem Träger, nicht fahren.” Wir, „Si, si.“ und erhielten die Dokumente. Per Pedes ging es nun zum „anderen Zoll” am Hafen. Wir waren nicht alleine, viele Overlander saßen bereits im Warteraum. Ein Beamter, Typ ewiges Lächeln, etwa dreißig Jahre alt, stand plötzlich vor uns und sagte: „Bitte draußen bei der Bank zuerst die Zollgebühren zahlen, hier das Formular dafür.“ Die Uhr zeigte 16.59. Die Bank hatte bis 18.00 Uhr geöffnet, mit einer Einschränkung, dass das Wechseln von Fremdwährungen – US-Dollar – nur bis 17.00 Uhr möglich sei und da rückte der Zeiger gerade hin. „Zu spät”, so meinte die grinsende Bankangestellte. Da auch unser Visa-Kreditkartenlimit pro Tag durch den zu zahlenden Betrag überschritten worden wäre, standen wir wieder vor unserem Beamten. Überfreundlich verabschiedete er uns mit den Worten: „Machen wir morgen alles ganz in Ruhe. Okay?“ Taxi zum Hotel. Abends gönnten wir uns ein etwas besseres Essen, um uns zu belohnen für die Ruhe, die wir behalten hatten.

27. März 2019.

Wir hatten uns genügend kolumbianische Pesos besorgt und fuhren direkt zum Zoll. Warten. Unser lächelnder Beamter ließ uns vor und wir bezahlten am Bankschalter brav die Zollgebühren. Es war 12.10 Uhr. Mittagspause. Geht hier von 12.00 bis 14.00 Uhr. Punkt 14.00 Uhr, oh Wunder, bekam ich eine Signalweste und einen Schutzhelm. Ab auf das Hafengelände und zum Container. Container wurde geöffnet und dann die positive Überraschung. Büdchen und alte BMW G/S waren unversehrt. Mitnahme allerdings Fehlanzeige. Büdchen musste auf einem Parkplatz abgestellt werden. Zurück im Zollbüro und zu unserem Beamten aus dem Land des Lächelns. Die nun von ihm gestellte Frage machte uns fast sprachlos. „Haben sie und ihre Frau eine Unfallversicherung?“ Antwort: „Ja, aber nicht dabei.“ Beamter: „Die brauchen wir aber. Hier die Adresse in der Stadt, wo Sie eine abschließen können, hat bis 18.00 geöffnet.” Wir mit dem Taxi zum Versicherungsbüro. Siebter Stock, kurz vor Feierabend. Unfallversicherung für fünf Tage abgeschlossen. Bekamen noch die Information, dass man die Police zum Zollbeamten schicken würde. Wir vermuteten, dass es sich hier um Verwandtschaft handeln musste. Zurück im Hostel waren wir etwas erledigt.

28. März 2019.

Bevor das Zollamt wieder Hauptaufenthaltsort des Tages sein sollte Folgendes. Rita wollte so früh nicht aufstehen. Ich hatte mir jedoch vorgenommen, den Großmarkt zu besuchen, um ein paar andere Eindrücke in den Kopf zu bekommen. Mit dem Taxi fuhr ich um 6.30 Uhr zum Großmarkt. Der Taxifahrer bot mir direkt einen Deal an: „Ich passe auf Sie auf und Sie können Fotos machen.“ Deal wurde von mir angenommen. So einen Dreck und Gestank hatte ich in meinem Leben bisher noch nicht gesehen und gerochen. Unvorstellbar, unter welchen Umständen Fisch, Fleisch und andere Lebensmittel hergestellt, gelagert und verkauft werden. Gleichzeitig Musik, Lachen, Dealen und den menschlichen Trieben folgen, ungeniert und ungeschützt. Nach knapp zwei Stunden war ich wieder im Hotel und fuhr mit Rita – nein – nicht zum Zoll.

Wir hatten vergessen, etwas zu erwähnen. Unser Zollbeamter bestand, wie er uns gestern noch wissen ließ, auf eine Versicherung für Büdchen. So fuhren wir heute Morgen zuerst in ein Versicherungsbüro in Hafennähe. Zwei Policen könne man nicht ausstellen, denn wir hätten ja nur ein Dokument vom Zoll bekommen. Mein oft gebrauchter Spruch: „Aus Platzgründen würde die BMW mit auf Büdchens Zolldokument stehen“, hatte hier Erfolg, wollte ich doch mit dem Moped durch Kolumbien fahren. Nun zum Zoll, es war kurz vor 12.00 Uhr. Unser Beamter hatte die Unfallpolice vorliegen, war so in Ordnung, aber die Kfz-Versicherung wäre für die Ausfuhrbehörde DIAN und dort vorzulegen. Worin der Unterschied zwischen DIAN und Zollbüro liegt, haben wir bis heute nicht begriffen. Also zu Fuß zum Büro der Ausfuhrbehörde DIAN. 14.00 Uhr. Nach der Pause rein an den Schreibtisch des uns auch hier bereits bekannten Beamten. Dokumente des Zolls und alles, was wir sonst noch an Papierkram hatten, legten wir vor, außer die Versicherungspolice der BMW, denn die sollte ja laut DIAN auf dem Träger Kolumbien bereisen. Abgestempelt und unterschrieben und es ging zurück zum Zoll. Diesmal weder Helm noch Warnweste, nur zum Büdchen und raus aus dem Zollhafen. Wir hatten es geschafft.

23.-28. März 2019 · Cartagena · Kolumbien