NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT

Mexiko-Stadt
Mexiko

24. Dezember 2018. Rita hatte mich gebeten, die fünfzig Kilometer bis Mexiko City zu fahren und so musste die BMW auf den Motorradträger. Zwei Stunden später ging es dann nach Mexiko-Stadt und der Feiertag machte es möglich, dass wir schon nach fünfundsiebzig Minuten vor unserem Hotel standen.

Wyndham Garden
  • Río Ebro 84,
  • Cuauhtémoc,
  • 06500 Ciudad de México, CDMX, Mexiko

Unsere Empfehlung:
Wyndham Garden Reforma,
nahe dem Platz
The Angel of Independence
WYNDHAM GARDEN
Mexico City - Reforma

Heiligabend verbrachten wir bei einer Flasche Rotwein, einer Konserve mit Thunfisch und Weißbrot mit Scheibenkäse. War in Ordnung.

25. Dezember 2018. Die Ausmaße der in einem Kessel auf 2000 Meter Höhe liegenden Stadt ist uns gestern beim Hereinfahren bewusst geworden und so starten wir heute unsere erste Annäherung an die Mega-Metropole früh morgens. Die Azteken gründeten die Stadt inmitten des Texcoco-Sees und gaben ihr den Namen Tenochtitlán. Der spanische Eroberer Hernán Cortés zerstörte die indianische Stadt im Jahre 1521 und errichtete die heutige Hauptstadt Ciudad de México. Am großen Platz Zócalo im Zentrum der Metropole findet man noch einige Ruinen des Aztekentempels Templo Mayor. Catedral Metropolitana, die größte Kirche Amerikas, und Palacio Nacional, der Präsidentenpalast mit Wandgemälden von Diego Rivera, Ehemann von Frieda Kahlo, beeindrucken als Bauwerke am Platz Zócalo. Damit soll es auch genug sein mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten, weil es sonst den Rahmen sprengen würde.

Die Stadt ist ein Superlativ in jedweder Richtung. Die Einwohnerzahl variiert zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Millionen, je nach Einbeziehung der nicht gemeldeten Menschen am Stadtrand und an den Hängen der Berge. Eins steht fest. Auch Mexiko-Stadt hat eine Nord-Süd-Achse – Avenida Insurgentes. Da können und wollen wir Kölner nicht mithalten, ist sie doch fünfzig Kilometer lang und würde projiziert auf unsere Heimat im Norden bis nach Düsseldorf heranreichen.

Trafen zufällig Tina und Felix auf dem großen Platz, gingen Kaffee trinken und verabredeten uns für den Zweiten Weihnachtstag zum Abendessen. Rita und ich bewegten uns dann etwas vom Platz weg und landeten im Marktbereich der „Normal-Mexikaner”. Hier gibt es alles, was aus Kunstfaser und Plastik herzustellen ist, ergänzt durch diverse Stände, an denen man Essen kann. Eine Tanzgruppe, die vermutlich einen traditionellen Aztekentanz ausführte, nahmen wir am Rande des Platzes mit und so sollte es für den ersten Tag genug gewesen sein.

26. Dezember 2018. Rita wachte mit einer heftigen Erkältung auf und ich konnte schon seit einiger Zeit morgens meine Figur kaum bewegen. Zusätzlich rappelte es derzeit zwischen uns heftig. Mal war es das Trinkgeld, das ich zu hoch ansetzte, mal wurde der Tagesablauf unterschiedlich gesehen und einige Dinge, die sich in den letzten Jahren bei Stresssituationen zu Hause nicht haben klären lassen, kamen hoch. Etwas angeschlagen über Weihnachten in einem kleinen Hotelzimmer, da musste man durch und sich das eine oder andere Mal zurücknehmen. Ist die einzige Möglichkeit. Abends wurde mit Tina und Felix harmonisch zu Abend gegessen.

27. Dezember 2018. Der Größe der Stadt ist es geschuldet, das wir am nächsten Morgen die Möglichkeit einer Stadtbesichtigung per „Hop-on-Hop-off” den Vorzug gaben. Gar nicht so schlecht.

28. Dezember 2018. Erkältung bei Rita war heute so stark, dass ein Verlassen des Hotels für sie nicht ratsam war und so machte ich mich alleine auf den Weg zum Museo Nacional de Antropologia. Der Besuch sei ein Muss, wenn man in Mexiko-Stadt ist, so sagt man. Im Erdgeschoss befindet sich der archäologische Teil und darüber der ethnologische Teil. Früh dort sein hilft, bevor es immer mehr Besucher werden. Für beide Ebenen sollte man mindestens zwei Tage ansetzen. Ich schaffte nur das Erdgeschoss und war schon durch die Vielzahl an Informationen überfordert.

29. Dezember 2018. Sie erinnern sich? Meine Finger. Morgens dauerte es mindestens eine halbe Stunde, bevor ich mich ans Klavier setzen konnte. Quatsch, aber es reichte mir. Kurzer Hand – passt ja – eine Klinik ausgesucht, Taxi bestellt und hin zum Hospital Angeles Mexiko-Stadt. Als ich das Krankenhaus betrat, dachte ich, hier falsch zu sein. Es stellte sich dar wie ein Hotel der Kategorie „Fünf Sterne Plus” – siehe Bilder.

Zusammengefasst. Das Privat-Klinikum zeigt wieder, wie groß die Unterschiede im Land sind. Behandlung war toll, sehr ausführliches Gespräch mit englisch sprechendem Arzt Dr. Rikardo Chaparro. Röntgenaufnahmen derer vier. Ich fing an zu rechnen, hatte doch eine Röntgenaufnahme und Konsultation in der Notaufnahme der Uni-Klinik Las Vegas eine Rechnung von 2.750 US-Dollar ausgelöst. Ich erwartete Unheil. Denkste. 250 Euro umgerechnet für vier Röntgenbilder, die mir zur Verfügung gestellt wurden, Konsultation und Schmerzmittel inklusive, das war's. Obama Care kam mir in den Sinn. Viel wichtiger die Diagnose: Arthritis in den meisten Fingern, nach Rückkehr behandeln lassen; Halt …auf dem Weg zum Greise.

Rita wollte noch im Hotel bleiben und so fuhr ich zum Azteken-Stadion, der Stätte der Fußball-Weltmeisterschaften 1970 und 1986. Die Möglichkeit, das Stadion zu besichtigen, wurde von mir wahrgenommen, obwohl ich der einzige Ausländer beim Rundgang war. Ja, verdient die Bezeichnung „Fussballtempel”. In den Katakomben gibt es für die Heimmannschaft „Club America” einen Madonnenaltar und außerhalb zwei ungewöhnliche Gedenktafeln. Eine für die „Hand Gottes” 1986 im Spiel Argentinien : England Diego Armando Maradonna und für uns als Hommage an das Jahrhundertspiel – El Partido del Siglo – 1970 Italien : Alemania mit dem Endergebnis 4 : 3.

Hier, liebe Fußballwelt, zur Erinnerung. Der 1. FC Köln stellte die meisten Spieler im Kader zur WM 1970 in Mexiko.

  • Manfred Manglitz,
  • Wolfgang Weber,
  • Wolfgang Overath,
  • Hannes Löhr.

Nimmt man Karl-Heinz Schnellinger noch dazu, der vom 1. FC Köln zum AC Milano wechselte, so spricht das Bände. In die Heimat die Aufforderung an unsere jetzige Mannschaft: „Loot jonn!

30. Dezember 2018. Rita ging es gesundheitlich besser und so stand der Wolkenkratzer „Torre Latinoamericana” auf dem Programm. Fantastischer Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen und wer will, kann im Restaurant on Top zur Krönung auch essen. Haben wir gemacht.

Hinweis: Sollte man als Erstes machen, wenn man die Stadt betritt. Es wird einem so mancher Ort von oben gezeigt, den es zu besichtigen lohnt.

31. Dezember 2018. Silvester. Unser Hotel befindet sich im Stadtviertel Cuauhtémoc unweit des Platzes El Ángel de la Independencia an der großen Avenida Paseo de la Reforma. Finanzviertel und mit Zona Rosa und Colonia Condensa nicht die schlechtesten Viertel. Auf der großen Avenida war ein Silvesterkonzert. Wir blieben nachmittags einige Zeit bei den Proben. Im Anschluss ging es in ein argentinisches Lokal zum Abendessen und danach zurück ins Hotel.

1. Januar 2019. Alles sehr unspektakulär. Silvester verpennt. Auf Neujahr wurden Sachen gepackt und eine gewisse Vorfreude auf das Unterwegs sein am morgigen Tag stellte sich ein.

Feststellung aus unserer Sicht: Leider können wir die folkloristische Sichtweise einiger Pauschaltouristen nicht teilen, für die ihr durchorganisierter Aufenthalt so etwas ist wie der Besuch des mexikanischen Delikatessenstandes auf der ANUGA / Food-Messe in Köln. Bei allem Neuen und Aufregendem kann man nicht verdrängen, dass an jeder Kreuzung im Stadtgebiet und unserem Viertel noch mehr sich die voll bewaffneten Polizisten und Militäreinheiten auf den Füßen stehen. Während Erkundigungen in der Stadt wurden wir aus vorbeifahrenden Autos heraus aufgefordert, auf uns aufzupassen. Bei Taxifahrten berechnete man für die gleiche Strecke mal 30 Pesos und mal 180 Pesos. Man fragte unverblümt, ob wir alleine reisen und wo wir nächtigen. Wenn man die Internetpräsenz des Auswärtigen Amtes besucht oder der österreichischen oder schweizerischen Behörden, muss einem klar werden, dass man keine Skandinavien-Rundreise macht. Trotz allem ein wunderschönes Land, das leider mit der gerade veröffentlichten Mordrate von hundert Personen pro Tag zu kämpfen hat.

24. Dezember 2018 - 1. Januar 2019 · Mexiko-Stadt · Mexiko