NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Puerto Pirámides
Valdés
Argentinien

25. September 2019.

Gut geschlafen in Trelew und ein opulentes Frühstück gaben den Ausschlag, nochmal auf die gute, alte BMW GS zu steigen. Die Panamericana – unsere Nordsüdfahrt – war erfolgreich abgeschlossen, jedoch die Liebe zum Motorradfahren bleibt. Wir holten sie vom Träger und bei sonnigem Wetter wurde das heutige, nicht allzu weite Ziel, in Angriff genommen.

Halbinsel Valdés. Ein Naturreservat, welches seit 1999 unter dem Schutz der UNESCO steht. Ihre exponierte Lage im Atlantik lässt Tierbeobachtungen zu, wie man sie nicht oft auf der Welt vorfindet. National Geographic Fotografen nutzen diese Möglichkeit des Öfteren zur Wal- und Orcabeobachtung. Meeressäuger sind hier die Favoriten. Seelöwen, See-Elefanten und selten gewordene Seebären lassen sich gut an den Steilküsten vorgelagerten Stränden beobachten. Wo soviel Robbenarten zu Hause sind, sind die Schwertwale – Orcas – nicht weit. Es braucht aber einiges an Glück, sie zu Gesicht zu bekommen. Südkaper, eine Bartenwalart, ziehen hier im Golfo Nuevo und Golfo San José vom offenen Meer geschützt ihre Kälber groß. Beste Beobachtungszeit Mai bis Dezember. Darüber hinaus haben sich viele Vogelarten die Halbinsel Valdés als Heimat ausgewählt. Waren wir in Punta Arenas etwas zu früh, Magellan-Pinguine zu sehen, so wurden wir hier entschädigt. Ihre Zutraulichkeit hätte ein Flügelschütteln zugelassen. Ist natürlich streng verboten und das ist auch gut so. Das Landesinnere der 3600 Quadrat-Kilometer großen Halbinsel ist Steppe, wie wir sie in den letzten Wochen immer wieder durchfahren haben. Guanakos, Nandus inmitten von Schafherden und wenn der Zufall es will, läuft einem ein Gürteltier über den Weg.

Zur Fahrt zurück, wie gesagt, alte BMW GS wieder On-Road, befuhren wir die Ruta 3 von Trelew bis nach Puerto Madryn. Puerto Madryn, gegründet durch Waliser im Jahre 1865, ist mit 100.000 Einwohnern in der Gegenwart Standort der argentinischen Aluminium-Produktion. Darüber hinaus hat Puerto Madryn eine große Fischfang-Flotte und der Tourismus wird mehr und mehr zu einem wichtigen Standbein – Nähe zur Halbinsel Valdés.

Wir erreichten diesen Ort bei Sonnenschein, den wir nach kalten Wochen auf der Promenade bei Kaffee und Kuchen, da kommt das Deutschsein durch, sehr genossen. Im Anschluss ging es über eine sehr wellige Erdstrecke bis zum Eingang des Nationalparks, wo ein kleines, aber feines Besucherzentrum erste Auskünfte gibt über Fauna und Flora der Halbinsel. Sollte man besuchen. Einziger Ort und touristisch voll erschlossen ist Puerto Pirámides. Apartamento El Tamarisco hatte ein Bett für uns.

26. September 2019.

Wir wollten es eigentlich ruhig angehen lassen. Was sprach dagegen? Unsere Visa-Karten wurden nicht akzeptiert und die Abrechnungsgeräte blockierten die Zahlung. Folge, Bares von der Bank abholen in Puerto Madryn. Die gestern schon befahrene Erdstrecke – Ruta Provincial 42 – führt direkt am Meer und dem Golfo Nuevo vorbei und trifft erst nach einigen Kilometern auf die Ruta Provincial 2, die in den Nationalpark führt. Wir wählten diese Strecke als Rückweg und sie hielt eine Überraschung für uns bereit.

Südkaper – Bartenwale –mit ihren Kälbern, tummelten sich zuhauf in Strandnähe. Unglaublich und faszinierend, wie nahe sie dem Strand kamen. Oft waren es nicht mehr als zehn Meter, die wir von Ihnen getrennt waren. Stundenlang beobachteten wir die Bartenwal-Mütter mit ihren Kälbern. Ein nettes Gespräch mit einem Park-Ranger ergab, dass es kaum einen besseren Platz auf der Welt geben würde, von wo aus Südkaper zu beobachten wären.

27. September 2019.

Viele Straßen gibt es nicht auf der Halbinsel Valdés. Eigentlich nur zwei, die durch die östlich verlaufende Küstenstrecke miteinander verbunden werden. Wir entschieden uns für die Ruta Provincial 3, Ziel Punta Norte. Entfernung etwa achtzig Kilometer. Außer der Zufahrt zu unserem Inselort sind alle Strassen Schotterstrecken und teilweise recht ruppig beim Befahren. Begleitet haben uns zwei junge deutsche Studenten – Auslandssemester in Buenos Aires – die vergeblich auf eine Busverbindung gehofft hatten. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir Punta Norte.

Daniel, Jacob und wir hatten vom Aussichtspunkt einen tollen Blick auf Strand und Meer. Momentan war Ebbe und dieser Umstand ließ einen guten Blick auf den Strand zu. Von oben sahen wir See-Elefantenmütter mit Neugeborenen vereint am Strand liegen. Uns kam es so vor, als wäre bei einigen der Geburtsvorgang gerade abgeschlossen worden. Die Neugeborenen suchten direkt die Stelle am Körper der Mutter, welche Nahrung versprach. Halt „Meeressäuger“. Derweil manche Muttertiere, noch vollkommen erschöpft, sich im Schlafmodus befanden. Nach längerer Beobachtung ging es weiter auf der Ruta Provincial 47 an der Ostküste entlang, zu einem Punkt wo Magellan-Pinguine einem fast auf die Füße traten. Am Rande der Steilküste hatte sich eine Kolonie Magellan Pinguine versammelt, bestimmt auch, weil die vorhandenen Erdlöcher Schutz vor heftigen Witterungseinflüssen bieten. Zur Zeit jedoch, so stellten wir fest, stand das Werben um die Gunst des möglichen Partners im Vordergrund. An jeder Ecke wurde durch heran robben und schnäbeln versucht, sich kennenzulernen. Bei der Zutraulichkeit der Pinguine fällt es schwer, sich dem direkten Kontakt zu entziehen. Trotzdem bitte nicht anfassen, Wildtiere.

Im Anschluss fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter, sollte es dort eine Stelle geben, wo ab und an Orcas den Versuch wagten, Robben auf dem Strand zu jagen. Wir warteten einige Zeit bei auflaufender Flut, traten dann aber den Rückweg an. Wie schnell ein Tag vergeht. Ganz vergessen, dass noch neunzig Kilometer zurückzulegen waren. So fuhren wir in die Abenddämmerung hinein. Puerto Pirámides erreicht und es wurde sich noch zum Abendessen verabredet. Das Abendessen fiel fischlastig aus und so brachten wir die Fische mit ein paar Flaschen Bier zum Schwimmen. Der Abend war nett und man traf sich noch auf einen Absacker in unserem Apartamento. Die Jungs gingen um 5 Uhr und ich hoffe, sie haben ihren Bus nach Buenos Aires nicht verschlafen. Bier, Wein und ein Rest Gin waren geleert worden. Das sollte Folgen haben.

28. und 29. September 2019.

Leider überschätzt man sich manchmal in meinem Alter. Eine Magen- und Gallenkolik war das Ergebnis. Nochmal ein Dank an meine Frau Rita, die zwei Tage den älteren Herren aufpäppelte. Daher gibt es keine Bilder von diesen beiden Tagen.

30. September 2019.

„Däm Jung jing et besser” und wir inspizierten per pedes die Steilküste rund um Puerto Pirámides.

1. Oktober 2019.

Bevor wir die Insel am nächsten Tag verlassen wollten, hatte ich das starke Bedürfnis, eine Walbeobachtung von Seeseite aus zu unternehmen. Rita wartete zuerst ab, da die morgendlichen Touren wegen zu hohem Wellengang abgesagt worden waren. Mittags sollte es gehen. Ich war froh, dass Rita an Land geblieben war, steigerte sich im Laufe der Tour der Wellengang peu à peu und wurde heftig. Von See aus den Walen nahezukommen war ein Erlebnis. Leider verhinderte der Seegang ein paar spektakuläre Bilder. Zurück an Land trafen wir die Vorbereitungen für die Abreise.

25. September bis 1. Oktober 2019 · Puerto Pirámides · Valdés · Argentinien