NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

El Calafate
Argentinien

3. September 2019.

Höhepunkt Nummer 2 im Parque Nacional Los Glaciares wollte besucht werden. Also in und auf unsere Fahrzeuge und 220 Kilometer später waren wir in El Calafate, dem touristischen Zentrum am Lago Argentino. Vorab gebucht, waren wir diesmal sicher, wenig später eine heiße Dusche nehmen zu können. Calafate ist schon ein bisschen städtischer und bietet dem Touristen alles in jeder Preisklasse. Seit dem Jahre 2000 sorgt ein Flughafen vor den Toren El Calafates für internationale Anbindung.

4. September 2019.

Die letzte Jeans, welche den Weg von zu Hause über den Atlantik mitgemacht hatte, war dabei, sich strukturell zu verabschieden. Zwei Neue mussten her! Unübersehbar waren die Vorbereitungen für den im Frühjahr stattfindenden Touristenansturm. Aus unserer Sicht war am heutigen Tag das Wichtigste der Ticketkauf für die Bootstour zu den Gletschern. Drei Varianten wurden uns erklärt. Variante 1: Mit Bus, Pkw etc. bis zum Aussichtspunkt. Sehr gute Sicht auf „Perito Moreno“. Variante 2: Bis zum Aussichtspunkt, plus einer einstündigen Bootstour die einen nahe an den Gletscher Perito Moreno bringt. Variante 3: Tagestour auf einem großen Motor-Katamaran. Umfang der Tour: Fahrt in den nördlichen Arm des Lago Argentino. Nach knapp einer Stunde würde die Annäherung an den Spegazzini-Gletscher erfolgen, im Anschluss der Upsala-Gletscher und nach dem Mittagessen an Bord der Perito Moreno als außergewöhnlicher Höhepunkt der Tour.

Wir entschieden, die Variante 3 sollte es werden und haben es nicht bereut. Jeder, der die Gletscherwelt im argentinischen „Los Glaciares National Park“ besucht, stellt sich früher oder später ein paar Fragen. Zum Beispiel: Warum entstehen gerade hier solch gigantische Gletscher? Die Anden bzw. ihre Lage sind auch hier entscheidend. Wolken, die vom Pazifik auf Land treffen, bleiben an den hohen Gipfeln der Anden hängen und schneien ab. Resultat ist das südpatagonische Eisfeld „Campo de Hielo Sur“. Mit einer Längsausdehnung von 350 Kilometern ist es mit das größte Eisfeld außerhalb der Polarregionen, Die daraus resultierenden Gletscher speisen die großen Seen wie beispielsweise den Lago Argentino oder den Lago Viedma, die bis in die Pampa reichen. Fast alle Gletscher gehen durch den Klimawandel zurück. Das der Perito Moreno wächst, widerspricht dem nicht, auch hier ist ein Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit festgestellt worden.

5. September 2019.

9.00 Uhr. In Punta Bandera startete die Gletschertour an Bord des Katamarans „Maria Turquesa“. Bestes Wetter und noch keine Hochsaison und so war das Boot nicht ganz ausgebucht. Was will man mehr? Schon nach kurzer Zeit sahen wir Kondore, die in Felsnischen die ersten Sonnenstrahlen genossen. Wo nicht Eis die Natur beherrscht, reichen unberührt aussehende Wälder bis ans Wasser des Sees. Trotz Sonne musste mein oft benutztes Wort zur Erklärung der Temperatur herhalten. „Et wor ärch frisch”.

Bald zeigten entgegenkommende kleinere Eisberge, dass ein Gletscher nicht mehr allzu weit sein konnte. Und dann standen wir vor unserem ersten Gletscher, den wir von Seeseite aus sahen. „Gletscher Spegazzini“. Länge 25 Kilometer, Ausdehnung 134 Quadratkilometer und seine Abbruchkante bis zu 125 Meter hoch. Wie klein und unbedeutend man ist, wird einem in solchen Momenten bewusst. Jeder von uns, der gerade dabei ist abzuheben, bräuchte eine Gletscherabbruchkante vor seinem geistigen Auge, damit er die Bodenhaftung behält. Ein kurzer Landausflug im Anschluss zeigte, dass selbst in dieser Abgeschiedenheit Menschen sesshaft geworden waren, um Viehzucht zu betreiben. Folgen dieses Umstandes sind Abholzung und Vertreibung der heimischen Tierwelt, wie uns erklärt wurde. Viehhaltung ist seit Gründung des Nationalparks verboten und das lässt für die Zukunft hoffen.

Als Nächstes näherten wir uns dem Upsala Gletscher. Er ist der größte Gletscher Südamerikas. Seine Länge beträgt 60 Kilometer und die Fläche, die er einnimmt, ist mit 870 Quadratkilometern angegeben. Vom Kalben herrührende kleinere Eisberge verhinderten heute ein ganz nahes Heranfahren. Ein Imbiss zu Mittag, einziger zu kritisierender Punkt der Exkursion, und die Fahrt zum südlichen Arm des Lago Argentino stand an. Ziel Gletscher „Perito Moreno“.

Der Perito Moreno ist nicht der größte Gletscher, doch die enorme Breite seiner Stirnseite beeindruckte. Er ist halt der Inbegriff eines Gletschers. Fast eine Stunde verharrten wir ehrfurchtsvoll vor der Gletscherkante und hofften Zeuge eines Kalbens zu werden. Auch ohne ein Kalben des Perito Morenos war es ein wunderbarer Tag. Auf dem Weg nach Calafate zeigte sich die patagonische Vogelwelt mit vielen ihrer Spezies und wir machten noch ein gelungenes Foto von einem stolzen Bussard.

6. September 2019.

Dieser Tag vor Weiterfahrt wurde wie so oft auf unserer Reise genutzt, um sich über die anstehenden Ziele zu informieren und die Abfahrt vorzubereiten.

3. bis 6. September 2019 · El Calafate · Argentinien