NORDSÜDFAHRT · Panamericana

NORDSÜDFAHRT
Panamericana

Onaisín
Chile

13. September 2019.

Es war bitterkalt morgens früh und die gute alte BMW versagte beim Start. Als wäre das nicht genug, lag plötzlich der schon zweimal geschweißte Seitenständer neben dem Moped und ich war froh, den Lenker gerade in beiden Händen zu halten. Wie gut, dass eine BMW noch einen Hauptständer besitzt. Fähren warten nicht. Schnell wurde die alte GS durch Büdchen per Starterkabel gestartet. Nur nicht mehr ausgehen. Erreichten die Fähre nach Porvenir in Feuerland pünktlich zum Einchecken. Zwei Stunden später wurde Porvenir erreicht. Einem Besatzungsmitglied noch ein paar Pesos in die Hand gedrückt und die alte BMW wurde als letztes Fahrzeug an Land gebracht. Per Starterkabel gestartet und wir fuhren zu einer Tankstelle, war das Tanken in der morgendlichen Hektik vergessen worden. Beide Fahrzeuge wurden betankt und wir wollten weiter.

Was war los. Straße war gesperrt, derweil eine Militärparade in Bataillonsstärke aufzog. Der 18. September ist Unabhängigkeitstag und dieses Jahr ein Mittwoch. Am heutigen 13. September 2019 gab es eine Generalprobe. Eine andere Erklärung viel uns nicht ein. Sei es drum. Was mir, als hohes Mitglied der Deutschen Bundeswehr – immerhin Gefreiter a. D – aufgefallen war, ist, dass hier Rang höhere Dienstgrade Uniformen trugen – die dem deutschen Großen Dienstanzug zu meiner Zeit sehr nahe kamen. Wahrscheinlich ein Erbe aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, wo deutsche Militärs bei der Ausbildung der chilenischen Armee mit halfen.

Von Porvenir aus führte die regionale Schotterstrecke Y-71 an der Bahía Inútil vorbei und traf nach 103 Kilometer auf den Ort Onaisín, der eigentlich aus der 1893 gegründeten „Estancia Caleta Josefina“ entstand. Ihr Gründer Mauricio Braun war Gebieter über eine Million Hektar Weideland, die er in Sektionen unterteilte. Eine spätere Landreform beschnitt zwar die sogenannten Schafbarone, die aber bis in die heutige Zeit noch über reichlich Land verfügen. Genau diese Estancia hatten wir ausgesucht, brachten doch Recherchen über Pinguin-Kolonien zutage, dass unweit der Estancia Caleta Josefina eine der seltenen Königspinguin-Kolonien sich befindet. Königspinguine machen ihrem Namen alle Ehre und sind wirklich die Schönsten ihrer Gattung. Außerhalb der Antarktis findet man sie nur noch auf den Falkland-Inseln, auf Süd-Georgien, den südlichen Sandwich-Inseln und hier an der Bahía Inútil. Wieder waren wir die einzigen Gäste in einer Unterkunft. Das Ambiente, die Estancia wurde vor zwei Jahren renoviert und als Hotel ausgewiesen, war der Geschichte entsprechend gediegen Das Frühstück und das extra zu bestellende Abendessen inklusive Personal hat noch einen weiten Weg vor sich, sollte der Preis irgendwann gerechtfertigt sein. So Ritas Worte. Rita arbeitete fast sieben Jahre in einem Sterne-Lokal unserer Heimatstadt und kann das beurteilen.

14. September 2019.

Pinguin-Tour stand an. Auf der Regional Road Y-85, einem Erdweg, ging es an der Bucht entlang. Schnell war der „Parque Pingüino Rey“ erreicht. Uns war es noch zu früh und so fuhren wir weiter bis Villa Camerón. Kilometerweit rechts das Meer, links die seit Wochen nicht fehlenden Einzäunungen des Weidelandes. Hier für Schafherden, soweit der Blick reichte. Wir landeten in Villa Camerón, einem kleinen Fischerort und beschlossen den Rückweg zum Parkeintritt der Königspinguin-Kolonie anzutreten.

Eine kurze Einweisung mit der ein oder anderen Erklärung und wir durften uns über Holzstege den schönen Tieren nähern. Die Kolonie umfasst 120 Pinguine. Bei einem Wasser und Landaufenthalt-Anteil von 80 zu 20 waren wir froh, einige Exemplare an Land anzutreffen. Wunderschön standen sie wie Skulpturen in der Landschaft. Die Jungtiere mit ihrem braunen, flauschigen Gefieder, was das Schwimmen und Tauchen noch verbietet, weisen noch nicht die ganze Schönheit dieser Spezies auf. Sie werden von den Alttieren gut bewacht, ist doch nach Einwanderung des Graufuchses immer Obacht geboten. Eine Stunde verbrachten wir mit der Beobachtung, danach trieb uns das stürmische und regnerische Wetter zur Estancia zurück.

15. September 2019.

Die alte BMW G/S hatte es bis zur Estancia geschafft, doch mein Ziel war es ja, wenigstens Ushuaia zu erreichen. Alles, was mit Elektrik zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Sagt aus, der Zufall musste helfen und er tat es. Verband Büdchen und GS per Starterkabel und legte los. Ich bewegte jedes Kabel, dem ich habhaft werden konnte und plötzlich hatte ich das Glück, bei den nachträglich montierten Zusatzscheinwerfern den Stromvernichter gefunden zu haben.

Nachmittags bot sich der Verwalter der Estancia an, mit uns ein paar Weiden abzufahren und im Anschluss die Stallungen zu öffnen, die für die Schafschur vorgesehen sind. Wir sahen noch sechs Schafschurplätze und erfuhren, dass es mal 36 waren. Ein paar Details zur Schafzucht machten uns auch nicht dümmer. Wussten sie, dass die Kennzeichnung der Schafe mit Farbe das Alter der Tiere verrät? Nach maximal acht Jahren erreichen Wollschafe in der Intensivtierhaltung daher meistens ihr Lebensende. So ging der letzte Tag auf der Estancia zu Ende.

13. bis 15. September 2019 · Onaisín · Chile